Urlaubsnotizen 2019/008: Valle Umbra oder der Tag der Öffnungszeiten

TitelbildNach so viel Tos­ka­na haben wir doch noch einen Aus­flug ins Herz Umbri­ens, in die Val­le Umbra unter­nom­men. Die­se Schmwemm­ebe­ne zwi­schen Spo­le­to im Süden und Assi­si im Nor­den bie­tet vor allem an ihren Hän­gen eini­ge wun­der­ba­re Schät­ze. Die Tal­ebe­ne selbst ist — bis auf Foli­gno — eher lang­wei­lig, geprägt von mit­tel­stän­di­scher Indus­trie und Land­wirt­schaft. Auf den Kup­pen und an den Hän­gen war es wohl immer siche­rer oder man hat­te den bes­se­ren Über­blick, was auch immer.

Bettona

Wir sind also um kurz vor acht los, gegen neun waren wir in Bet­to­na, pünkt­lich zum Früh­stück in der ers­ten Bar am Plat­ze, die — stan­des­ge­mäß? — im Palaz­zet­to del Podes­tà unter­ge­bracht ist. Die Gemein­de samt Muse­um (sie­he unten) hat­te da wohl etwas das Nach­se­hen. Wobei das Rat­haus in einem durch­aus reprä­sen­ta­ti­ven Bau unter­ge­bracht ist, Typ mit­tel­al­ter­li­cher Stadt­pa­last. Mit Blick auf den “Ein-Stand-Wochen­markt” begin­nen wir den Tag. Und am Ende schwat­ze ich dem Baris­ta noch die Caf­fè-Tas­se ab.

Rund um den Haupt­platz befin­den sich nicht weni­ger als drei Kir­chen in maxi­mal 50m Ent­fer­nung. Zwei davon sind aber mitt­ler­wei­le nicht mehr in Betrieb und des­halb geschlos­sen, die Wandmalereien/Fresken sind aber — durch Glas­schei­ben gut zu sehen.

Um 10:30 Uhr öff­net das Muse­um. Bet­to­na ist die ein­zi­ge (bekann­te?) Sied­lung der Etrus­ker (der Tusci) links­sei­tig des Tibers, also im Gebiet der Umbrer. Des­halb sind die Fun­de dort recht bemer­kens­wert. Das Muse­um prä­sen­tiert die­sen (archäo­lo­gi­schen) Teil aber nicht schlicht als eine Samm­lung von 1000+n Fund­stü­cken, son­dern erklärt auch an Hand der Her­aus­for­de­run­gen der Was­ser­ver­sor­gung (inkl. euro­päi­sche Ein­ord­nung der Hydro­geo­lo­gie) die ca. 2.000-jährige Sied­lungs­ge­schich­te — und das auf dem Niveau der etrus­ki­schen Sied­lung, näm­lich im Tief­kel­ler. Dag­mar hat­te die schö­ne Erkennt­nis: “sag mal, lau­fen wir hier gera­de um die alte Zis­ter­ne her­um?” In der Pina­ko­thek im Ober­ge­schoss ist unter ande­rem eine Pro­zes­si­ons­fah­ne von Perugi­no zu sehen.

Bevagna

Nach einer wun­der­ba­ren Aus­sicht über das Tal mit Blick auf Perugia und Assi­si fah­ren wir wei­ter nach Beva­gna. Hier wol­len wir uns vor allem die Mosai­ken im römi­schen Bad anse­hen.1 Des­halb müs­sen wir ein wenig auf die Zeit ach­ten, denn — laut Rei­se­füh­rer und die­sem Inter­net — hat das Muse­um diens­tags bis sonn­tags von 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr und von 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöff­net. Schön wäre, wenn das stim­men wür­de. Vor Ort steht auf dem Schild “Goio­ve­di [sic!] Dome­ni­co // Thurs­day to Sunday” — also erst am Don­ners­tag wie­der. Damit fällt auch das Tea­tro Fran­ces­co Tor­ti flach, das auch über das Muse­um zu besich­ti­gen ist.

Auf der Suche nach einer geöff­ne­ten, nicht zu tou­ris­ti­schen Bar/Osteria fin­den wir tat­säch­lich etwas zufäl­lig mein Foto­ziel, das ich noch in Beva­gna ein­ge­plant habe. Eine klei­ne Stau­stu­fe des Topi­no, an der ein (restau­rier­tes) Mühl­rad steht, und das alte (öffent­li­che?) Wasch­haus, das Lava­toio del­l’­Ac­col­ta. Über den Fluss spannt sich hier eine mäch­ti­ge Brü­cke der Por­ta Moli­no aus dem 15. Jahr­hun­dert, auf des­sen Vor­platz wir nun ein wun­der­ba­res Restau­rant fin­den und eine sehr ent­spann­te Pau­se machen.

Foligno

Gestärkt und guten Mutes, den Ärger über wider­sprüch­li­che Tou­ri-Infos im wahrs­ten Sin­ne her­un­ter­ge­schluckt, geht es nun nach Foli­gno. Hier wol­len wir uns vor allem Kir­chen anse­hen. Auf dem Weg von Beva­gna nach Foli­gno einer schnur­ge­ra­den (Römer-?)Straße sehen wir schon von wei­tem unser ers­tes Ziel: Die Chie­sa di San Pao­lo Apos­to­lo, ent­wor­fen von Mas­si­mi­lia­no Fuk­sas. Ein wahr­haft impo­san­ter Bau. Auch wenn es eine ganz moder­ne, kubisch-schlich­te Beton­kir­che ist, in einer Ecke ist natür­lich eine Gips-Madon­na auf­ge­stellt, Typus Lour­des, inklu­si­ve Behang mit Rosen­krän­zen und klei­nen Brief­chen. Rund um die Madon­na haben auch ein paar Möbel­res­te aus der alten Kir­che ihren Platz gefun­den, die eigent­lich nicht so recht in den Stil der neu­en Kir­che pas­sen. Wir  hören qua­si die Dis­kus­sio­nen im Pfarr­ge­mein­de­rat…

In der Alt­stadt besich­ti­gen wir den Palaz­zo Trinci, ein typi­scher, goti­scher Stadt­pa­last der Fami­lie der Herr­schen­den, des­sen gesam­te (Fresken-)Ausstattung offen­sicht­lich allein der Macht­de­mons­tra­ti­on dien­te.

Der Dom ist noch wegen der Erd­be­ben­schä­den aus 2016 geschlos­sen, das Ora­to­rio del­la Nun­ti­al­la hat von April bis Okto­ber sams­tags und sonn­tags zwi­schen 10:00 Uhr und 13:00 Uhr sowie  zwi­schen 16:00 Uhr und 19:00 Uhr geöff­net. Also auch nichts. Dann fah­ren wir halt zurück und freu­en uns auf den Pool.

Urvinum Hortense

Ver­söhnt wer­den wir dann noch durch die Aus­gra­bung von Urvinum Hor­ten­se in der Nähe von Col­leman­cio. Eine römi­sche Sied­lung, auf einem Rücken am West­hang der Val­le Umbra, unter ande­rem mit einem Tem­pel aus dem 2. Jh. v. Chr., Rui­nen einer Zis­ter­ne sicht­bar, einem weit­läu­fi­gen Ther­mal­kom­plex — und einem schö­nen Blick auf Assi­si.

  1. Die Kir­chen haben wir vor Jah­ren schon besucht, und sie rei­zen auch nicht zum wie­der­hol­ten Besuch. Außer­dem sind sie zu.

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