Absolute Beginners — Season 2.

AbsoluteBeginnersSo lang­sam erwa­chen wir alle aus dem Win­ter­schlaf. Nicht nur im Gar­ten waren die letz­ten Wochen und Mona­te rela­tiv ruhig, auch hier im Blog herrsch­te eher Stil­le. Das soll sich nun wie­der ändern.

Blumenwiese -- Wintertracht

Blu­men­wie­se — Win­ter­tracht

Blumenwiese -- aufgeräumt

Blu­men­wie­se — auf­ge­räumt

Der Gar­ten­auf­takt ist ja in der Regel erst­mal von Auf­räu­men geprägt. Das Expe­ri­ment “Wild­blu­men­wie­se” haben wir ja als erfolg­reich dekla­riert und soll fort­ge­setzt wer­den. Wir hat­ten die Res­te des letz­ten Jah­res nicht abge­mäht, son­dern für Vögel und ande­res Getier im Win­ter als Nah­rung und Schutz ste­hen gelas­sen. Das der Win­ter nicht wirk­lich statt­ge­fun­den hat, tut erst­mal nichts zu Sache. Also war der ers­te Schritt, alles sorg­fäl­tig abzu­har­ken, um nicht die bereits kei­men­den neu­en Pflan­zen zu zer­stö­ren.

Ande­re Tei­le des Gar­tens zei­gen sich aber auch ohne viel Zutun gera­de im Früh­jahr manch­mal auch nur für weni­ge Tage in einer wun­der­schö­nen Blü­ten­pracht. Z. B. unse­re Blut­pflau­me (Pru­nus cer­asi­fe­ra).

Blutpflaume

Blut­pflau­me

Und dann ist da noch der Stolz eines jeden Gar­ten­be­sit­zers (ich glau­be, dass das in die­sem Fall schon kor­rekt gegen­dert ist): Der Rasen. Oder in der Frust behaf­te­ten Ver­si­on: Das Moos… Mit dem Ver­ti­ku­tie­rer habe ich aus den knapp 100m² eine Schieb­kar­re Moos raus­ge­holt. Ich bil­de mir ein, dass jetzt eine Woche spä­ter, der Rasen schon grü­ner aus­sieht. Und das, obwohl der nach­ge­sä­te Rasen noch gar nicht gekeimt hat. Etwas ver­stö­rend fand ich übri­gens eines Pro­spekt eines Gar­ten­markts. Auf einer Sei­te wur­de für Rasen­dün­ger mit Moos-Ex gewor­ben, auf der nächs­ten in der “Krea­tiv-Ecke” für Moos zum Bas­teln, z. B. für die Oster-Deko… Ja, was denn nun???

Zum Schluss noch einen aktu­el­len Blick auf’s Gan­ze. Stay tun­ed! Wir wer­den wei­ter berich­ten.

Blick auf's Ganze

Blick auf’s Gan­ze

Wie lässig kann man sein?

Der neue Mann?

Der neue Mann?

Das fragt die Über­schrift über den heu­ti­gen Wer­be­bei­la­ge in der Tages­zei­gung. Es geht um Män­ner­mo­de. Und für das Titel­bild gilt: Männ­lich geht anders. Mei­ne Güte, was für zwei Milch­tü­ten in Pseu­do-Out­door-Jacken und Jeans mit ein­ge­bau­ten Nut­zungs­spu­ren. Die Krö­nung fin­det sich aller­dings gegen Ende des Mehr­sei­ters.

Kein Kommentar

Kein Kom­men­tar

Was ist das? Ein Clown? Schlecht­sit­zen­de Hose in  — wie heißt die Far­be — “cur­ry”? Könn­te auch “Möh­ren-Kar­tof­fel-Brei-im-Bio­Hip­p­gläs­chen” hei­ßen. Und bun­ter Rin­gel­pul­li — an so etwas erin­ne­re ich mich aus mei­ner Kin­der­gar­ten­zeit. Aber die Krö­nung ist die rote Stepp­ja­cke. Nicht nur, dass die­ses Modell an dem Typen min­des­tens zwei Num­mern zu klein aus­sieht — sie wäre auch furcht­bar in der rich­ti­gen Grö­ße. Und was trägt er mit so viel Spass inne Backen mit sich her­um: ein Rie­sen­woll­knäu­el als Deko? Für einen Mann???

Was bin ich froh, dass ich 44 und ver­hei­ra­tet bin.

ohne Deko

Heu­te mor­gen am Früh­stücks­tisch, blät­tern in den Wer­be­bei­la­gen. Bei Ross­mann gibts Fit­ness­ge­rä­te für zuhause.Man muss schon genau hin­schau­en, um den sub­ti­len Humor die­ser Anzei­ge zu erken­nen…

Rossmann -- Ohne Deko

Ross­mann — Ohne Deko

Wer bis­her geglaubt hat, Frau­en machen das für die Fit­ness oder die Figur — falsch gedacht. Sie sind ein­fach die Deko.

Geschenktes und Vergessenes

Adventsbirne

Advents­bir­ne

Das Fund­stück von heu­te ist nicht gefun­den, son­dern geschenkt und ein biss­chen ver­ges­sen. Und auch nicht mehr wirk­lich von heu­te son­dern schon von Mon­tag. Denn am Mon­tag kam Kol­le­gin und Freun­din L. mit einem Rie­sen­beu­tel Äpfeln und Bir­nen. Tei­le der Ern­te aus ihrem Gar­ten. Sie über­reich­te ihn mit den Wor­ten: “Das muss recht schnell weg, vor allem die Bir­nen.” Dan­ke schön. Damit war das Pro­gramm für den Mon­tag abend klar: Zum einen Bir­nen­mar­me­la­de (mit Weiß­wein und Stern­anis) und Apfel­kom­pott (mit ein biss­chen Zimt). Übrig blie­ben drei Äpfel — die­se Sor­te, die man kochen muss, weil sie zum so essen ein­fach zu sau­er sind. L. nennt die auch “Koch­äp­fel”. Die drei wan­der­ten heu­te in den Apfel-Nuss-Kuchen. Wobei nur zwei in den Kuchen kamen. Denn ein Apfel ent­pupp­te sich beim Durch­schnei­den als kom­plett braun von innen. Den habe ich im Gar­ten für die Vögel plat­ziert. Die ande­ren bei­den geschält und klein­ge­schnit­ten, mit einer Hand­voll Cran­ber­ries in den Kuchen­teig gerührt und das gan­ze ab in den Ofen. Erst als ich den fer­ti­gen Kuchen aus dem Back­ofen hol­te, fiel es mir wie­der ein: ich habe das Kuchen­ba­cken eigent­lich nur ange­fan­gen, weil ich am Frei­tag abend ein Rie­sen­stück Mar­zi­pan geschenkt bekom­men

Marzipan

Ich war mal ein Fisch

habe — und das hat­te ich im Kühl­schrank ein­fach ver­ges­sen.

Das Mar­zi­pan war ein Fisch. Das klingt jetzt komisch, ist aber so. Am Frei­tag war unse­re Film­pre­mie­re “Von Fischern und Fei­ern”, wir waren zu Gast im Fische­rei­mu­se­um Bergheim/Sieg, und die Fischerzunft aus Beu­el kam und schenk­te den Fischer­brü­dern von Berg­heim einen ziem­lich gro­ßen Fisch aus Mar­zi­pan. Das kön­nen die gut machen, weil der Besit­zer der Mar­zi­pan­fa­brik Beu­el gleich­zei­tig ein Fischerzünft­ler ist. Und der Mar­zi­pan­fisch wur­de am sel­ben Abend fach­fi­scher­män­nisch (oder fischer­fach­män­nisch?) zer­legt und ver­teilt — und die Herrn Engels, Engels und Engels (das ist eine eige­ne Geschich­te) haben mir ein gro­ßes Stück zum Mit­neh­men ein­ge­packt. Wie gesagt, das soll­te in den Kuchen.…

Apfelkuchen

Nuß-Apfel-ohne­Mar­zi­pan-Kuchen

Nun ist der Kuchen weni­ger süß gewor­den (was aber gar nicht schlimm ist), weil ich wegen des ein­ge­plan­ten Mar­zi­pans weni­ger Zucker genom­men habe. Und wir haben außer Kuchen immer noch Mar­zi­pan zum Naschen… Wobei ich ja Mar­zi­pan gar nicht so ger­ne mag, außer im Kuchen…

Kol­le­gen, freut Euch auf mor­gen!

Urlaubsnotitzen 2013, Nr. 15: Zwischenstation

Von Menschen und WildschweinenAm mor­gen haben wir bei trü­bem Wet­ter die letz­ten Auf­räum- und Pack­ar­bei­ten erle­digt. Aber immer mehr kam die Son­ne durch — und bei uns doch ein paar klei­ne Zwei­fel: Sol­len wir wirk­lich heu­te schon fah­ren oder blei­ben wir doch ein­fach bis mor­gen? Noch ein Tag hier im Schat­ten der Kie­fer lie­gen? Aber blöd: die Bücher­kis­te ist schon ein­ge­packt und ziem­lich weit unten im Kof­fer­raum ver­staut. Und die Fahrt zum Boden­see ver­dammt weit. Also gut, Abschied vom Haus und den Wild­schwei­nen und klei­nen Dra­chen und los gehts.

Die Fahrt lief ohne gro­ße Stö­run­gen oder Ver­zö­ge­run­gen, ganz ent­spannt an Flo­renz und Bolo­gna vor­bei. Pau­se an einem rela­tiv gro­ßen (und vol­lem) Rast­platz der — eine Auto­bahn­ka­pel­le hat. Ich dach­te immer, das sei typisch deutsch. Hier haben wir aber nett gepick­nickt. Das Essen des mit­ge­nom­me­nen Jogurts, der schon ziem­lich flüs­sig ob der Tem­pe­ra­tu­ren war, gestal­te­te sich für Zuschau­er inter­es­sant: kei­ne Löf­fel dabei — und der in der Kaf­fee­bar gekauf­te Espres­so (der letz­te ita­lie­ni­sche, ein Dra­ma für Ste­phan) lie­fer­te nur einen klei­nen Plas­tik­stab zum umrüh­ren mit.

Hier beim Kaf­fee dis­ku­tie­ren wir aus, wo wir nun unse­re Zwi­schen­sta­ti­on machen wol­len: zur Abstim­mung stan­den Bozen, Vero­na — und Gar­da­see. Auf letz­te­ren haben wir uns geei­nigt. Also wei­ter­fah­ren — bis zur Abfahrt Riva del Gar­da, die Nord­spit­ze vom See. Schon die Land­stra­ße war voll, vor allem vol­ler deut­scher Autos. Und Rad­fah­rer. Mas­sen von Men­schen unter­wegs. Wir hat­ten nach der Maut­sta­ti­on kurz gehal­ten und mit Ste­phans klei­nem Zau­ber­kas­ten ein Hotel­zim­mer gebucht. Und eben­die­ser Kas­ten lei­te­te uns mit freund­li­cher Frau­en­stim­me bis dort vor die Tür. Ein net­tes Hotel!

Aber erst­mal ein biss­chen die Füße ver­tre­ten — und ich woll­te natür­lich unbe­dingt zum Was­ser. Ja. Das war auch schön dort, aber das wis­sen auch ver­dammt vie­le ande­re Leu­te. Rad­fah­rer zum Bei­spiel, vor allem die­se coo­len. Ein schö­nes Bild war eine sehr coo­le Strand­bar, vor der etwa 2 Dut­zend die­ser komi­schen Sitz­sä­cke lagen, und auf jedem Sitz lag ein Sack. Ich glau­be, gera­de für Män­ner über 55 ist eine Alpen­über­que­rung per Fahr­rad die ulti­ma­ti­ve The­ra­pie zum Über­ste­hen der Mid­life-Cri­sis. Die Rad­ler­ho­sen len­ken vom Bauch ab und den ver­schwin­den­den Haar­an­satz kann man pri­ma mit die­sen Tüchern, die man gegen Son­nen­stich um den Kopf kno­tet, kaschie­ren. Aber nicht nur Rad­ler, auch die Sur­fer sind ganz ähn­lich cool drauf. Ins­ge­samt also eine ech­te Fremd­heits­er­fah­rung für mich — eth­no­lo­gisch sehr wich­tig, das mal mit­zu­ma­chen. Ach ja, und der See ist wirk­lich schön.

Nach Rück­kehr ins Hotel, duschen, stadt­fein machen und essen haben wir dann noch einen Spa­zier­gang zum See gemacht. Viel weni­ger Leu­te, weni­ger Wind, Ster­ne, Was­ser, Lich­ter — ein sehr gelun­ge­ner Abend. Ich den­ke, hier fah­ren wir mal wie­der hin…

Gardasee bei Nacht

Gar­da­see bei Nacht

Urlaubsnotizen 2013, Nr. 2: Bayern — mal wieder.

Von Menschen und WildschweinenDag­mar hat die Idee, einen Aus­flug zum Frei­licht­mu­se­um Glent­lei­ten zu machen. Bei reich­lich durch­wach­se­nem Wet­ter ist nicht all zu viel los im Muse­um. So kön­nen wir uns in Ruhe der Fer­ti­gung von Schleif­stei­nen und ande­ren mit Was­ser­kraft betrie­be­nen Gewer­ken wid­men. Beim Imker dann ist rich­tig was los: ein­zel­ne Droh­nen wer­den in Kin­der­hän­de gege­ben, vor­sich­tig mal strei­cheln… War­um wir aktu­ell seit Wochen eine Dis­kus­si­on um Droh­nen füh­ren, bleibt bei Betrach­tung die­ser Tie­re schlei­er­haft: ohne Sta­chel, nur fres­sen und ein­mal die Köni­gin begat­ten, das wars.

WasserradImker

Abends haben wir uns mit eini­ges der Freun­de aus unse­rer “Baye­ri­schen Zeit” getrof­fen. Es war schön, sie wie­der zu sehen und über Gott, die Welt und Poli­tik zu debat­tie­ren. Ich freue mich jetzt schon auf’s nächs­te Mal!

 

Rita

Rita - Teil 1

Rita — Teil 1

Am Sams­tag mor­gen unter­wegs zum Bad Godes­ber­ger Markt, mit dem Fahr­rad. Son­ni­ges Früh­som­mer­wet­ter (end­lich), gute Lau­ne, und eine roman­ti­sche Bot­schaft auf dem Boden auf­ge­sprüht: “Rita, ich lie­be Dich”. Ach wie süß. Ein paar Meter wei­ter geht auch die Geschich­te wei­ter. Nun wird klar, das ist nicht Hor­mon­über­schwang von frisch ver­liebt, son­dern Tren­nungs­schmerz: “War­um hast Du mich ver­las­sen?” Gute Fra­ge, meis­tens gibts dar­auf auch eine kla­re Ant­wort.  “Ich habe immer zu Dir gestan­den.” Soso, das meinst Du zumin­dest. Viel­leicht wars auch Kon­troll­zwang und Klet­ten. Der Gip­fel kommt aber am Ende:

Rita - Teil 2

Rita — Teil 2

Sieh wie ver­zwei­felt ich bin, das ich sowas mache”

Wenn das nicht der Ver­such ist, emo­tio­na­len Druck und Schuld­ge­füh­le auf­zu­bau­en. Was für ein Blöd­mann. Er ist nicht nur ver­las­sen wor­den und ver­kün­det sein Leid nun der gan­zen Welt. Er ent­puppt sich hier als ego­zen­tri­scher Chau­vi: ich, ich, ich — jeder Satz hat genau ein Sub­jekt. Ich bin unglück­lich, ich habe alles für Dich getan — ich lie­be Dich immer noch — für Rita ist da über­haupt kein Platz. Ver­mut­lich war das wäh­rend der gan­zen Bezie­hung so. Hät­tes­te mal frü­her drü­ber nach­den­ken sol­len.

Rita, Du hast abso­lut Recht. Die­ser Typ ist ein tota­ler Ego­ma­ne. Lass Dich bloß nicht weich­ko­chen von dem. Viel Glück Dir!

Tauben und Männer

Was für ein schö­ner Abend. Ich sit­ze noch drau­ßen im Gar­ten und tue mal nichts. Ins Grün schau­en ist gut für die Augen. Dabei fällt mir auf, dass hier ganz schön vie­le Vögel sind. Amseln, Mei­sen — eine kom­plet­te Fami­lie, min­des­tens vier jun­ge, die per­ma­nent irgend­was in den Schna­bel gestopft krie­gen. Was für ein Lärm. Aber jetzt zie­hen sie wei­ter zu Nach­bars. Dafür kommt ein Tau­ben­pär­chen. Nein, ich glau­be, kein Paar. Er ver­folgt sie. Von der Kie­fer der Nach­barn links in unse­re gro­ße Bir­ke, run­ter aufs Gras, rauf auf die klei­ne Bir­ke, zurück auf die Kie­fer, und noch­mal kehrt auf die klei­ne Bir­ke. Jetzt hat sie end­gül­tig genug und macht sich kom­plett vom Acker. Er bleibt sit­zen. Sieht etwas bedröp­pelt aus. Ver­las­sen und abge­wie­sen. Tja, Typ, war wohl nix.

Tau­ben haben ja einen nicht so guten Ruf. “Luft­rat­ten” und so. Aber wenn ich mir den ver­las­se­nen Täu­be­rich so anschaue, sind das eigent­lich ganz hüb­sche Vögel. Jetzt fängt er an zu gur­ren, ganz trau­rig und lei­se. Ich bekom­me fast schon Mit­leid. Da kommt ein zwei­tes Tau­ben­paar vor­bei­ge­flo­gen — ganz schnell mal hin­ter­her, denkt sich der Täu­be­rich. Und weg ist er. Nun, ist das ein dreis­ter Ver­such, dem ande­ren Täu­be­rich das Täub­chen aus­zu­span­nen, oder waren das viel­leicht zwei Sin­gle-Tau­ben, die es anzu­bag­gern lohnt? Schö­nen Abend.

Daneben gegriffen

Mon­tag Mor­gen, kurz vor 8. Schon fast fer­tig mit allem, nur noch Make­up, Haa­re föh­nen und einen Sprüh­stoß Magni­fi­que aufs Dekol­le­té. Und jetzt das — der Fla­con leer, kein Tröpf­lein für den Mikro­zer­stäu­ber mehr da. Egal, da war doch die klei­ne Pro­bier­pro­be vom letz­ten Par­fu­me­rie­be­such, das roch doch gar nicht so schlecht. Ich bewah­re die­se klei­nen Pro­be­fläs­chen in einer Schach­tel auf dem Regal im Bade­zim­mer auf — mit einer Samm­lung von Nagel­lack­fläsch­chen. Letz­te­re ist aber nicht beson­ders umfang­reich. Also schnell mal eben rein­ge­grif­fen, die klei­ne Par­fum­pro­be ist sogar mit Zer­stäu­ber, pscht pscht, ange­sprüht. Riecht irgend­wie sei­fig. Na ja, muss heu­te mal gehen. Die Haa­re sind frisch gewa­schen und blei­ben heu­te offen.

Beim Anzie­hen von Schal und Man­tel kom­men mir ers­te Zwei­fel. Das riecht komisch. ICH rie­che komisch. So irgend­wie unpas­send. Beim Umbin­den des Schals sind die Haa­re nach vorn gefal­len und ein­mal durchs Dekol­le­té gezo­gen. Jetzt rie­che ich es mas­siv. Bäh. Das geht gar nicht. Also wie­der aus­zie­hen, nach oben — wie krie­ge ich das wie­der ab? Auch Ste­phan ist der komi­sche Geruch inzwi­schen auf­ge­fal­len. Er bestä­tigt: das kommt nicht wirk­lich gut. Ein Blick auf den Fla­con bringt die Wahr­heit an den Tag. Das kann gar nicht pas­sen. Das ist der Män­ner­duft. Und jetzt erin­ne­re ich mich auch an den Spruch der Ver­käu­fe­rin in der Par­fu­me­rie: “Da leg ich Ihnen noch­mal was Schö­nes für den Gat­ten dazu, Frau Dr. Hänel.”

Cartier Déclaration - der Duft für ihn mit dem maskulinen Charakter...

Car­tier Décla­ra­ti­on — der Duft für ihn mit dem mas­ku­li­nen Cha­rak­ter…

Soll­te der Gat­te jemals auf die­se Mar­ke umstei­gen, lass ich mich schei­den. Oder viel­leicht ist es am Man­ne gar nicht so schlecht, ver­spricht doch der Wer­be­text “mas­ku­lin” als Cha­rak­ter, Kopf­no­ten von Leder und Zedern­holz und eine Herz­no­te von Iris, Zimt und Ing­wer. Die Basis­no­te aller­dings sei “Bei­fuß, Küm­mel und Bit­ter­oran­ge” — Küm­mel, na ja, ehr­lich gesagt, dar­auf kann ich ver­zich­ten. Wenn ich Küm­mel will, koche ich damit. Es bleibt aber immer noch die Fra­ge, wie ich die­ses olfak­to­risch unpas­sen­de Gemisch wie­der los­wer­de.

Kom­plett aus­zie­hen — riecht immer noch. Waschen. Noch­mal Waschen. Ein drit­tes Mal Waschen. Ein­cre­men mit der ver­trau­ten Bodylo­tion. So lang­sam gehts wie­der. Die Haa­re wasche ich jetzt aber nicht noch­mal. Die blei­ben offen und sol­len beim Rad­fah­ren durch die Käl­te aus­düns­ten.

So halb­wegs hats funk­tio­niert. Zumin­dest hat mich kei­ner der Kol­le­gen auf einen merk­wür­di­gen Geruch ange­spro­chen. Aber selbst jetzt, um kurz nach zehn am Abend, habe ich ihn noch in der Nase. Sei­fi­ges Zedern­holz mit Küm­mel. Vorm Schla­fen­ge­hen geh ich noch­mal duschen…

 

Besondere Tage.

Eigent­lich besu­che ich in die­sem Früh­jahr Don­ners­tags einen Ita­lie­nisch-Kurs bei der VHS hier in Bonn. Doch für heu­te hat­te mich mei­ne Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de zum Neu­jahrs­emp­fang der Gesell­schaft für Christ­lich-Jüdi­sche Zusam­men­ar­beit Bonn “dele­giert”: gleich­zei­tig tag­te näm­lich der Haupt­aus­schuss, wo der gesam­te Frak­ti­ons­vor­stand hin muss. Also durf­te ich in Ver­tre­tung hin. Es war für mich ein beson­de­rer Abend, weil der Prä­ses der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land und Rats­vor­sit­zen­de der Evan­ge­li­schen Kir­che Deutsch­land, Niko­laus Schnei­der den Vor­trag hielt. Ich ken­ne ihn seit mei­ner Jugend, als er noch Gemein­de­pfar­rer in mei­nem Hei­mat­kir­chen­kreis war, wir zusam­men oster­mar­schiert sind etc. pp. Für den Prä­ses war es auch ein beson­de­rer Abend, da es, wie er selbst sag­te, der letz­te dienst­li­che Ter­min in der Rhei­ni­schen Kir­che gewe­sen ist: am Sonn­tag geht er in den Ruhe­stand. An dem Tag, an dem der Papst in den Ruhe­stand geht (offi­zi­ell: eme­ri­tiert) sorg­te das natür­lich für den ein oder ande­ren Lacher. Am Ran­de: es war einer der bes­ten und anre­gends­ten Vor­trä­ge, die ich in den letz­ten Jah­ren gehört habe (The­ma: “Nein zur Juden­mis­si­on”).

Wunder geschehen?

Wun­der gesche­hen?

Und dann das: In der U‑Bahn auf dem Weg nach Hau­se hing neben dem Sitz für Men­schen mit Bewe­gungs­ein­schrän­kun­gen ein Stock. In der Stadt, in der der ehe­ma­li­ge Papst, der ehe­ma­li­ge Josef Ratz­in­ger an der Uni gelehrt hat. Ist das schon das ers­te Wun­der? Wer­den nun Rufe “San­to subi­to!” laut? Aber er lebt doch noch, oder?