Friedhofsrundgang im November bei 20°C

Dagmar war mal wieder für einen Rundgang über den Beueler Friedhof am Platanenweg gebucht. Auf einen Samstag Vormittag um 10:00 Uhr im November. Zunächst waren wir auf 11:00 Uhr gepolt. In Konsequenz bedeutete das: hurtig und ungefrühstückt los. Kurzer Check im Aufbruch:

  1. Wetter: trocken
  2. Licht: November halt
  3. Temperatur: warm, ca. 20°C.

Ideal also zum Photographieren auf dem Friedhof. Moment. Widersprechen sich nicht 2. und 3.? Ach, daher also die Kopfschmerzen und nicht von dem Wein gestern Abend. Hm. Also los.

Dass der Beueler Friedhof einerseits ein völlig normaler, (innen-)städtischer Friedhof des 20. Jahrhunderts ist, andererseits aber durch die Sinti- und Roma-Gräber etwas ganz besonderes ist, ist in Bonn und Umgebung bekannt. Und auch wenn gerade letztgenannter Aspekt Anlass für den o.g. Rundgang war, habe ich mich bei meinen Photos eher auf ersteres konzentriert: Das Farbenspiel in dem meistens rein diffusen Licht, dann und wann dann doch ein intensiver Sonnenstrahl.

 

Urlaubsnotizen 2013, Nr. 013: Etrusker, Handwerk und Religiosität — oder doch alles anders.

Von Menschen und Wildschweinen

Die Route von heute ist recht übersichtlich und schnell genannt: Umbertide (E-Mails und Blog), Bettona, Deruta, Torgiano. Laut Reiseführer sollte es im ersten Ort eine schöne Aussicht auf die Valle Umbra von Perugia über Assisi bis nach Spello, inkl. des Monte Subasio sowie ein Etruskergrab geben. Deruta ist das Zentrum der umbrischen Maiolika-Produktion mit einer Wallfahrtskirche in der Nähe. Und in Torgiano soll es eine aufstrebende Wein- und Olivenölproduktion inkl. Probiermöglichkeiten und neuer, fachbezogener Museen geben. Das hörte sich nach einem ambitionierten Besuchsprogramm an, an dessen Schluss wir in Torgiano in einer Osteria einkehren wollten. Faktisch stimmt das alles, aber letztendlich war alles etwas (oder deutlich?) anders, als erwartet. Aber trotzdem interessant.

 

Nice View: Valle Umbra

Nice View: Valle Umbra

Die größte Übereinstimmung gab es noch in Bettona. Der Ausblick über das Tal und Perugia, Assisi sowie Spello am gegenüberliegende Hang der umbrischen Berge inkl. Monte Subasio ist schon imposant. Das Dorf auf dem Höhenrücken klein und übersichtlich, die drei Kirchen und das Museum — vorhersehbar — geschlossen zwischen 13:00 Uhr und 15:30 Uhr. Also nur eine kleine Mittagspause im Schatten auf einer Bank mit „Nice View“. Das Etruskergrab war auf der Fahrt in Richtung Deruta nicht zu verfehlen, der Zugang aber auch — vorhersehbar — geschlossen. Es lohnte also kein Zwischenstopp.

 

Deruta Centro.

Deruta Centro.

Kurz vor Deruta fingen die Merkwürdigkeiten aber schon an: Ein Showroom/Verkaufsraum für Ceramiche neben dem anderen. Aber alles völlig ausgestorben. Und das obwohl viele Läden — trotz Mittagspause — geöffnet hatten. Das setzte sich bis ins Zentrum von Deruta fort, dass — wie zu erwarten — auf einem Bergrücken liegt. Hier war es noch ruhiger. Falscher Tag? Falsche Tageszeit? Wir wissen es nicht. Dagmar jedenfalls ist ein bisschen reingefallen. „Vielleicht kaufe ich doch eine ganz kleine Kleinigkeit, so eine kleine bemalte Keramikkugel für eine Kette oder so“ — in einem Laden dann direkt vollgequatscht werden: „ah, allemagne, bellissima, mio padre in colonia… – for you I make a special price“ Jaja. Gekauft hat sie dann tatsächlich so eine Kette, allerdings war die Kugel nicht ohne ein bisschen Glitzertand zu haben.

 

Einkaufsrummel in Deruta.

Einkaufsrummel in Deruta.

 

Die nahe Wallfahrtskirche ist für Ihre Votivtafeln aus Majolika berühmt. Diese gehen bis in das 17. Jhdt. zurück, es finden sich aber auch aktuelle.

 

In Torgiano finden wir wieder die gähnende Leere vor: ein paar wenige Touristen, aber von Osterien, Probierstuben etc. kaum etwas zu finden. Die beiden Museen sind private Neugründungen einer Familie, die hier wohl (wirtschaftlich) erfolgreich versucht, in Umbrien ein Gegengewicht zu den D.O.C./D.O.C.G./I.G.T. zu Montefalco und die Toskana zu setzen.

 

TorgianoCimiteroVillageOutletCenter

Modernes Flair auch am Friedhof.

Richtig merkwürdig im wahrsten Sinne des Wortes wurde es aber an einer „Erinnerungsallee“, die aus der Stadt durch ein wieder aufgebautes mittelalterliches Stadttor zum Friedhof führt. An jedem Baum ein Stein mit Namen und (Todes-)Daten eines Soldaten des ersten Weltkriegs. Die Straße selbst wird nachts in der Mitte durch in den Boden eingelassene Uplights erleuchtet. Das ganze gibt eine schnurgerade Linie vom Ortszentrum zum Friedhof, der für dieses kleine Örtchen erstaunlich groß ist. Aufgeteilt in drei Teile spiegelt er irgendwie die Architekturgeschichte: Der alte Teil, ein ganz klassischer italienischer Friedhof mit Kolumbarien und dazwischen den typischen Familiengrüfte, spätes 19. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre. Der zweite Teil stammt aus den 70ern. Es sieht aus wie eine 70er Jahre Beton-Siedlung, alles grau, ziemlich normiert, die Familiengrüfte zwar irgendwie pompös, aber eben auch nackter Beton. Unsere Schulen sahen auch so aus. Und der wohl neueste Teil orientiert sich in Farbgebung und Stil irgendwie an den momentan modernen Village-Outlet-Centern. Kleine Häuschen in „toskana-gelb und -rot“, in Normgröße. Wirkt nicht so besonders lebendig, das ganze. Ist aber auch vielleicht zuviel verlangt, von einem Friedhof.

 

Wir sind dann doch lieber zurück in unser Haus gefahren und haben dort Pasta Zucchini è Ricotta und einen lokalen Vino bianco zu uns genommen.