Gartennotiz #004: Stumpfe Zähne

Rhabarber, 2013

Wie in der Gar­ten­no­tiz 003 bereits ange­kün­digt, nun also ein paar Wor­te zum Rha­bar­ber (Rhe­um rha­bar­bar­um).

Natür­lich ist die­se Pflan­ze mit jeder Men­ge Kind­heits­er­in­ne­run­gen ver­se­hen. Die stärks­te — und wahr­schein­lich auch am wei­tes­ten ver­brei­te­te — ist, eine Stan­ge Rha­bar­ber in ein Glas mit Zucker zu tun­ken und die­se so leid­lich ver­süß­te Stück für Stück zu genie­ßen. Es war natür­lich meis­tens immer noch unglaub­lich sau­er, aber das Ver­spre­chen von Som­mer, viel­leicht sogar noch durch ein paar Erd­bee­re abge­run­det, war ein­fach unschlag­bar.

Rhabarber, 2013

Rha­bar­ber, 2013

Viel­leicht ist auch das der Grund, war­um wir uns nun die­se Pflan­ze in den Gar­ten geholt haben: Zurück­ho­len von Kind­heits­er­in­ne­run­gen. Die bei­den Stau­den ste­hen nun in einem wie­der neu ange­leg­ten Beet an der Gren­ze zum Nach­bar­grund­stück, an einer Stel­le, die hin­rei­chend viel Son­ne ver­spricht. Ich fürch­te aber, dass es die­ses Jahr (noch) nichts zu ern­ten geben wird.

Neben dem bereits genann­ten Roh­kon­sum des Rha­bar­bers, gibt es natür­lich noch zwei wei­te­re ele­men­ta­re Dar­rei­chungs­for­men: 1) das Rha­bar­ber­kom­pott und 2) den Rha­bar­ber­ku­chen. (Auf solch Hip­ster­ge­döns wie Rha­bar­ber­schor­le etc. pp. gehe ich hier nicht wei­ter ein — ich könn­te mich nur in die Nes­seln set­zen…) Bei­de kom­men mit einer gera­de­zu sprich­wört­li­chen Neben­wir­kung daher: Stump­fe Zäh­ne! War­um das so ist, mögen kun­di­ge­re Men­schen erklä­ren. Mir reicht manch­mal schon der Anblick und der Duft des einen oder ande­ren, um das beleg­te Gefühl im Zahn­raum zu haben. Nor­ma­ler­wei­se bedeu­tet das: Es ist Früh­ling oder gar Früh­som­mer. Aber im Jahr 2013 scheint alles etwas anders zu sein. Es gab zwar schon Rha­bar­ber­ku­chen, aber mit dem Rest…

Rhabarberkuchen

Rha­bar­ber­ku­chen

Entsorgung

Jede® kennt die­se Momen­te, in denen sich die Sekun­den zu Unend­lich­kei­ten zu deh­nen. Ein typi­sches Bei­spiel dafür ist, wenn in einem Geschirr­re­gal etwas final ins Rut­schen gerät: Der Zeit­raum zwi­schen dem ers­ten Knir­schen, über den dump­fen Auf­schlag und das anschlie­ßen­de Schep­pern bis zum lang anhal­ten­den Split­tern… Pani­sche Bli­cke, die ban­ge Fra­ge “Was war das?”. Es waren natür­lich nicht die häss­li­chen Geschen­ke von der Hoch­zeit, die man eigent­lich schon längst dem ört­li­chen Ent­sor­ger hät­te anver­trau­en sol­len. Die ste­hen grund­so­li­de noch im Regal oder lie­gen unver­sehrt auf dem Boden — neben dem Scher­ben­hau­fen. Es waren eben die Erb­stü­cke, die viel­leicht nicht unbe­dingt wirk­lich schön waren, aber an denen das Herz hing. War­um die­ser ewi­ge Kampf zwi­schen All­tagstü­cke und indi­vi­du­el­ler Erin­ne­rungs­kul­tur?

ScherbengerichtJeden­falls ist nun eini­ges im Eimer und wir haben Platz für zwei Tor­ten­plat­ten und eine Scha­le für einen klei­nen Salat, für Gebäck etc.