Und es war kein Raum in der Herberge…

Am letzten Donnerstag hatte ich ein echtes Krippen-Erlebnis. Ich war von den Initiatoren des Deutzer Forums zum diesjährigen lebendigen Adventskalender eingeladen worden, einen Kurzvortrag zum Thema „Weihnachtskrippen“ zu halten. Als Ort war die Krippe im Horion-Haus des LVR vorgeschlagen, die dort seit vielen Jahren aufgebaut wird und auch schon lange Teil des Kölner Krippenweges ist. Nun, in diesem Jahr nicht. Ich kam etwa eine halbe Stunde vor Beginn meines Adventskalender-Fensters in Deutz an, betrat das Foyer des Horion-Hauses und fand: keine Krippe. Der freundliche Herr am Empfang konnte mir nicht weiterhelfen. Krippe, hätte er noch nie hier gesehen. Auch seine Nachfrage beim Kollegen im Landeshaus gegenüber blieb erfolglos: auch dort keine Krippe. Was tun? Inzwischen waren die ersten am Krippenvortrag interessierten Deutzerinnen und Deutzer eingetroffen. Meine erste spontane Idee war: wir bauen einfach selbst eine lebendige Krippe auf. Eine der Teilnehmerinnen war direkt begeistert und zog ihre Haarspange aus dem Zopf: „Das ist der Stern von Bethlehem!“ Eine schöne Idee, denn die Haarspange ließ sich per Knopfdruck zum Leuchten bringen. Einige der Anwesenden erklärten sich auch spontan bereit, die Hirten zu spielen. Weiterlesen

Mit drei Schnitten… Bitte, was?

Wie sieht ein Geophysiker eine Tomate?

Wie sieht ein Geophysiker eine Tomate?

Wenn ein Geophysiker übers Kochen nachdenkt, kann es mitunter skurril enden. Heute zum Beispiel ging es um einen Sugo zu Pasta mit Rinderfilet. Leider hatten wir keine Cocktail-Tomaten. Also musste ein „klassisches“ Wassersäckchen so geteilt werden, dass die Stücke halbierte Cocktail-Tomaten simulieren. Jeder normale Mensch hätte die Aufgabe dadurch hinreichend umschrieben, dass eine Tomate zu achteln sei. Maximale mit dem Hinweis „vierteln und dann jeweils noch einmal teilen“.

Als Geophysiker kam ich zu der Einsicht, dass mit drei Schnitten (einmal in Äquatorialebene und dann zweimal, um 90° gedreht entlang von Meridianen) acht Kugelsegmente mit jeweils 3 rechten Winkeln entstehen.

Tauben und Männer

Was für ein schöner Abend. Ich sitze noch draußen im Garten und tue mal nichts. Ins Grün schauen ist gut für die Augen. Dabei fällt mir auf, dass hier ganz schön viele Vögel sind. Amseln, Meisen – eine komplette Familie, mindestens vier junge, die permanent irgendwas in den Schnabel gestopft kriegen. Was für ein Lärm. Aber jetzt ziehen sie weiter zu Nachbars. Dafür kommt ein Taubenpärchen. Nein, ich glaube, kein Paar. Er verfolgt sie. Von der Kiefer der Nachbarn links in unsere große Birke, runter aufs Gras, rauf auf die kleine Birke, zurück auf die Kiefer, und nochmal kehrt auf die kleine Birke. Jetzt hat sie endgültig genug und macht sich komplett vom Acker. Er bleibt sitzen. Sieht etwas bedröppelt aus. Verlassen und abgewiesen. Tja, Typ, war wohl nix.

Tauben haben ja einen nicht so guten Ruf. „Luftratten“ und so. Aber wenn ich mir den verlassenen Täuberich so anschaue, sind das eigentlich ganz hübsche Vögel. Jetzt fängt er an zu gurren, ganz traurig und leise. Ich bekomme fast schon Mitleid. Da kommt ein zweites Taubenpaar vorbeigeflogen – ganz schnell mal hinterher, denkt sich der Täuberich. Und weg ist er. Nun, ist das ein dreister Versuch, dem anderen Täuberich das Täubchen auszuspannen, oder waren das vielleicht zwei Single-Tauben, die es anzubaggern lohnt? Schönen Abend.

Wer sind Sie eigentlich?

Ich habe ein Telefon, dass entgangene Anrufer speichert. Wenn ich in mein Büro zurückkomme, weil ich, wie heute morgen, mir kurz einen Kaffee geholt habe (den die nette Kollegin K. gekocht hat), und ein rotes Lämpchen auf dem Apparat leuchtet, weiß ich – ich habe einen Anruf verpasst. Im allgemeinen bin ich eine gute Dienstleisterin – ich lasse mir die Nummer anzeigen und rufe zurück. Heute war es eine 0160er-Nummer – ein Handy. Keine Ahnung, wer. Also den OK-Knopf drücken und den Verbindungsaufbau abwarten.

Rauschen in der Leitung. „Hallo“.

„Hallo – Dagmar Hänel, LVR-Institut für Landeskunde. Sie haben versucht, mich zu erreichen.“

„Hallo. Ja. Wegen der Mail. Es geht um die E-Mail. Da ist ja was schiefgegangen.“

(Wovon spricht er? – Aber erstmal positiv bestätigen.)

„Ja?“

„Ja, die Mail. Das war ein Fehler.“

(Ich verstehe gar nix. Was für eine Mail? Wer ist das überhaupt?)

„Also ich wollte ja gestern schon anrufen, wegen der Mail. Da haben ja mehrere gemailt.“

(Wie jetzt – was will der Typ von mir?)

„Das war ja eine Verwechselung, o-“

Jetzt reichts – das kann ja noch Stunden so weitergehen – ich falle dem jetzt einfach ins Wort:

„Stopp! Wer sind Sie?“

Stille. Fünf lange Sekunden.

„Andreas P.“

Erleichterung.

„Herr P. – dann weiß ich jetzt auch, worum es geht. Alles in Ordnung. …“

Noch ein kurzer freundlicher Wortwechsel, dann verabschieden wir uns und ich lege auf.

Hirn wieder auf Normalbetrieb fahren. Leben geht leichter, wenn man sich mit Namen meldet.

Entsorgung

Jede(r) kennt diese Momente, in denen sich die Sekunden zu Unendlichkeiten zu dehnen. Ein typisches Beispiel dafür ist, wenn in einem Geschirrregal etwas final ins Rutschen gerät: Der Zeitraum zwischen dem ersten Knirschen, über den dumpfen Aufschlag und das anschließende Scheppern bis zum lang anhaltenden Splittern… Panische Blicke, die bange Frage „Was war das?“. Es waren natürlich nicht die hässlichen Geschenke von der Hochzeit, die man eigentlich schon längst dem örtlichen Entsorger hätte anvertrauen sollen. Die stehen grundsolide noch im Regal oder liegen unversehrt auf dem Boden — neben dem Scherbenhaufen. Es waren eben die Erbstücke, die vielleicht nicht unbedingt wirklich schön waren, aber an denen das Herz hing. Warum dieser ewige Kampf zwischen Alltagstücke und individueller Erinnerungskultur?

ScherbengerichtJedenfalls ist nun einiges im Eimer und wir haben Platz für zwei Tortenplatten und eine Schale für einen kleinen Salat, für Gebäck etc.