10 Bücher

Prolog

Poste (je ein Bild von) 10 Bücher(n), die Eindruck hinterlassen haben. So in etwa lautete vor einigen Wochen mal wieder der Aufruf eines Facebook-Kettenbriefs. Und mit jedem Bild/Post durfte jemand neues „nominiert“ werden, der/die dann vor der gleichen Aufgabe oder Ehre stand. Bei mir laufen solche Aufrufe in der Regel ins Leere bzw. erreichen eine Sackgasse. Dieses Mal jedoch war es etwas anders. Bücher. Facebook. Da muss doch ‚was gehen – auch bei mir und für mich. Also fing ich an, darüber nachzudenken, was ich unter „Eindruck hinterlassen“ verstehe, verstehen will. Wären das also Werke der Weltliteratur, die mich beeinflusst haben, mit denen ich selbst als belesen Eindruck machen möchte? Oder vielleicht doch eher die Werke, die z.B. eng mit meiner Liebe zu Italien verbunden sind? Politik-Gedöns, gar Politiker*innen-Biografien, um meine ideologische Festigung zu demonstrieren? Mit alle dem kam ich irgendwie nicht vorwärts. Also anders anfangen. Was prägt mich? Und welche Bücher sind dafür sowohl prägend als auch aussagekräftig, vielleicht als eines für einen ganzen Teil von mir. Und wo gibt es vielleicht sogar Schnittstellen. Schon besser.

Am Anfang war das Wort.

Natürlich darf bei mir die Bibel nicht fehlen. DasBuch halt. Groß geworden bin ich in einem reformiert-protestantischen, sozialdemokratischen Elternhaus. (Zu zweitem komme ich später zurück.) Über Kindergottesdienst, Katechumenen- und Konfirmandenunterricht, Konfirmation, selbst Begleiter von Konfirmandenfreizeiten, Radfreizeiten mit dem CVJM und, und, und.

Mein Tauf- und Konfirmationsspruch („Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte / und meine Zuversicht setze auf Gott den HERRN, dass ich verkündige all dein Tun.“, Psalm 73, 28) begleitet mich nun gut seit über 50 Jahren. Vor über 20 Jahren haben Dagmar und ich 1. Korinther 13 zum Trauspruch gewählt: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze. (…) Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Zunächst hatten wir Vorbehalte, allein, weil das einer der, wenn nicht gar der am häufigsten gewählte Trautext schlechthin ist. Aber er passt doch zu uns und begleitet uns gut. Zur kirchlichen Trauung bekamen wir die Stuttgarter Erklärungsbibel als Traubibel von unserem Pfarrer geschenkt. Sie steht bei uns nicht nur dekorativ im Regal.

Das ist der Widerspruch unserer Zeit:

Auf deutschem Boden sammeln sich die Sozialisten in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“ – so lautet eine verballhornende Kurzfassung des Godesberger Programms, kreiert aus Teilen dessen ersten und letzten Satzes.

Wie der Glaube begleitet mich die Politik seit Kindesbeinen an. Mein Vater war in der Kommunalpolitik meiner Heimatstadt Moers aktiv, das Parteibuch habe ich als 17jähriger von Jürgen Schmude überreicht bekommen – mit dem wiederum meinen Vater bereits eine gemeinsame CVJM-Jugend aus den 1950ern verbindet. So viel zu den langen Linien. Dazu gehört aber auch, dass ich nicht wegen, sondern eher trotz Helmut Schmidt in die SPD eingetreten bin: 1984 als entschiedener Gegner des NATO-Doppelbeschlusses, geprägt in der kirchlichen Friedensbewegung.1 Aber für mich war damals und ist heute immer noch die SPD die Partei, in der ich für mich die besten Chancen sehe, etwas zu bewegen. Im vermeintlich „Kleinen“ der Kommunalpolitik als Stadtverordneter in Bonn oder aber im „Großen“ für die Energiewende und die Anpassung an den Klimawandel. Dazu an anderer Stelle mehr.2

Kindheit

Wenn ich in meiner Erinnerung weit zurückgehe, komme ich zu den Büchern, die vor allem meine Mutter mir vorgelesen hat. Die kleine Raupe Nimmersatt, Borka, Das kleine Gespenstund, und, und. Und: Die Kinder aus Bullerbü! Alle drei Bände! Immer wieder! Dann auch selbst lesen! Und was soll ich sagen: Am meisten haben mich – warum auch immer – die Mädchen beeindruckt. Die Jungs waren mir recht egal. Oder hatte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben verliebt? In eins der drei Mädchen? Nur welche? Ich erinnere mich nicht mehr. Vielleicht sollte ich die Bücher noch mal lesen und dann auch über Rollenklischees nachdenken. Ich glaube aber nicht, dass die – trotz des „klassischen“ Titelbilds – nur rosarot und hellblau sind. Interessanter Weise haben mich die anderen Astrid Lindgren-Bücher nicht so sehr gefesselt.

Sturm und Drang

Irgendwann kam dann in der Mittelstufe die unvermeidliche Textanalyse und -interpretation auf den Lehrplan. Mein Pech: meine damalige Lehrerin dachte in engen Kategorien von richtig und falsch. Insbesondere meine Erstinterpretation war häufig – vorsichtig formuliert – kreativ, in ihren Augen also völlig falsch. Wir konnten uns dann irgendwann nicht mehr leiden. In der Oberstufe bekam ich dann einen Lehrer, der erstmal jede Interpretation gelten ließ, uns Schüler*innen aber das Rüstzeug gab, sich dem Text zu nähern und dann den ersten Ansatz noch einmal selbst zu überdenken und gegebenenfalls zu korrigieren. Und das tatsächlich mit diesen sprachgewaltigen Texten den Sturm und Drangs. Eine wichtige Rolle spielte dabei natürlich auch die Einordnung in die Zeit des Entstehens, hier also eine durchaus hochpolitische Zeit. Eine wunderbare Ergänzung zur schulischen Auseinandersetzung mit diesen Texten war, dass das Schlosstheater Moers zeitgleich die Minna spielte. Oder die Räuber? Egal. Schön war’s!3

Tee und Räucherstäbchen

Trotz der schulischen Wirrungen um „den richtigen“ Textzugang habe ich auch eigeninitiativ gelesen. Im Altern zwischen 16 und 18, Anfang/Mitte der 1980er Jahre, im Dunstkreis von Friedensbewegung, Anti-Atom & Co. standen – und nun kommen doch die Standardwerke – Hermann Hesse, Erich Fried und andere ganz oben auf der Lektüre-Liste. Auch hier gilt: ich könnte gar nicht mehr zu jedem der Bücher etwas „aus der Lamäng“ sagen. Ich weiß aber, dass sie mich zum Nachdenken gebracht haben. Ja, es ging ums Welt- und Menschenbild, das Miteinander und nicht das Gegeneinander, die Welt, in der wir leben wollten. Das große Ganze also, der eigene Sturm und Drang. Vor allem aber denke ich gerne an viele Menschen zurück, mit denen ich zu der Zeit meine Zeit verbracht habe. Zu einigen habe ich noch heute oder mittlerweile wieder Kontakt, andere habe ich aus den Augen verloren, einzelne sind schon tot.

Wahnsinn? Vorahnung?

Dürrenmatts Physiker. Schul-Pflicht-Lektüre oder freiwillig oder beides, sich gar ergänzend? Jedenfalls hat mich die Physik ja schon früh interessiert. Nicht zuletzt auch die Zerrissenheit um die Möglichkeiten ihrer Entdeckungen. Kernspaltung, Kernkraft, Kernwaffen. Ist Grundlagenforschung wertfrei möglich? Ist sie um der Erkenntnis Willen zu legitimieren, oder haben Forschende immer auch die „andere Seite der Medaille“ zu beachten und auch zu benennen? Dürfen sie sie ausblenden oder dürfen, müssen sie gerade im Wissen darum arbeiten und die Erkenntnis aber auch stets im Lichte aller möglichen Auswirkungen diskutieren? Ist selbst physikalische Grundlagenforschung deshalb nicht immer per se politisch? Sollte man nach über 50 Jahren vergeblicher Mühe sich nicht langsam mal eingestehen, dass die wirtschaftliche Nutzung der Kernfusion eine Chimäre ist, die Grundlagenforschung am „Sonnenfeuer“ aber doch im Faustschen Sinne eine Berechtigung hat?[footnote]Die Kernphysik war letztendlich mein liebstes Nebenfach.[/footnote] Und merke: Verrückt sind am Ende die, von denen man es am wenigsten erwartet hat.

Die Musik

Ein Leben ohne Musik erscheint mir möglich, aber sinnlos. Meine musikalische Prägung in Kindheit und Jugend fand statt zwischen (Bachscher) Kirchenmusik, klassischen Konzerten und den LP-Sammlungen meines Bruders und meiner Vettern (ja, alles nur Jungs), die zwischen vier und 16 Jahren älter sind als ich: The Beatles, Pink Floyd, The Police, Patti Smith. Dazu natürlich Mal Sandocks Hitparade und Schlagerralley auf WDR2. Ab dem siebten Lebensjahr habe ich dann selbst in die Tasten gegriffen. Ich hatte eine ausnehmend gute Klavierlehrerin. Ich durfte und musste alles einmal ausprobieren, konnte mich dann aber auf das konzentrieren, was mir Freude machte. Und da bin ich – bis auf wenige Ausnahmen – im Barock hängengeblieben, letztlich vor allem bei Johann Sebastian Bach. Das schnörkellose Wohltemperierte Klavier, die Kunst der Fuge, die Inventionen.4 Die beiden Beispiele hier haben noch eine innerdeutsche Geschichte. 1983 zum Lutherjahr (s. unter 1) war ich mit meinen Eltern in der DDR unterwegs. Meine Klavierlehrerin hatte mir eine Liste von Notenbüchern mitgegeben, die ich mir vom fälligen Zwangsumtausch kaufen könnte. Die Edition Peters erschien ja auch in Leipzig. Das Wohltemperierte Klavier, dass eingentlich an Platz 1 der Liste stand, gab es nicht in der „Buch- u. Musikalienhandlung Johann Sebastian Bach“  in Eisenach – vielleicht zu diesem Zeitpunkt nirgends im Land. Also kaufte ich (unter anderem) die Inventionen und Sinfonien. Jahre später erwarb ich dann das Wohltemperierte Klavier der neuen „Edition Peters — Leipzig – London – New York„.

Die Fotografie

„Die Welt ist voller Farben“ – eigentlich ist der Titel schon Aussage genug. Der Weg zur guten Fotografie drohte bei meinen ersten Gehversuchen ein eher steiniger zu werden. In meiner Familie wird seit jeher viel fotografiert, die Spiegelreflex gehört – wie das Klavier und jede Menge Bücher – zur Grundausstattung des Bildungsbürgerhaushalts. Da aber Vaters Kamera für den Sohn zu wertvoll (und vielleicht zu kompliziert) war, bekam ich eine Kompaktkamera. Das Problem: Ich habe die Kamera eher gegen den Auslöser anstatt den Auslöser heruntergedrückt. Die Folge: Auf dem Foto war jede Menge Himmel und am unteren Rand ein paar Köpfe, Ameisen gleich. Das wurde in dem Moment anders, als ich Vaters abgelegte Rollei-Spiegelreflex bekam. Die lag richtig gut in der Hand. Von dem Moment an wurde es etwas mit Bildaufteilung, Belichtung, Fokus. Das – theoretische – Rüstzeug habe ich mir dann insbesondere durch diese Fotoschule und der genauen Betrachtung Fotos anderer erworben. Und natürlich durch eigenes Erarbeiten. Mittlerweile mit über 40.000 eigenen Aufnahmen.

In Raum und Zeit unterwegs

In den 1970er/80er Jahren gab es eine Fernsehserie „Unterwegs mit Odysseus“: Ein paar Menschen segelten mit einem 1½-Master kreuz und quer durch die griechische See, mehr oder weniger streng dem Mythos folgend. Dieser wurde dann – unterstützt durch Zeichentrick-Animationen – nacherzählt. Segeln – Griechenland – Archäologie: zusammen eine wunderbare Kombination. Die hier abgebildete Ausgabe habe ich gelesen, als ich 1992 selbst von Ithaka nach Kefalonia segelte. Mein Archäologie-Studium habe ich zwar nie wirklich ernsthaft verfolgt, aber drei oder vier Semester im Nebenfach neben der Promotion waren es dann doch.

Die Wissenschaft

Wo wir gerade beim Studium sind. Ich könnte hier einige Bücher auflisten, die Eindruck hinterlassen haben, die ich auch am liebsten in die nächstbeste Ecke verfrachtet hätte. In meine Top-Ten hat es nun ein Sammelband von Tagungsaufsätzen geschafft, der sehr wichtig für meine Dissertation war. Allein das Titelbild ist der Kracher. Wer sich ein wenig in den Polargebieten auskennt, wird unschwer links im Bild Grönland erkennen. Dass der rechte Teil exakt den gleichen Teil der Erde abbildet, ist erst bei genauerer Betrachtung zu erkennen. Diese Gegenüberstellung zeigt die Herausforderung, komplexe Daten so aufzubereiten, dass sie – mit einer gewissen Grundkenntnis dessen, worum es geht – visuell erfassbar werden. Ich hatte schnell den Ruf der „Abteilung für bunte Bilder“.5 Die eigenen Untersuchungen über die Entwicklung des Eises der Antarktis, selbst für gut zwei Monate auf diesem vermeintlich ewigen Eis gestanden zu haben, die Diskussionen mit Kolleginnen und Kollegen haben meine Sicht auf den menschengemachten Klimawandel geprägt. Zu dem es einen 97%igen Konsens in der Wissenschaft gibt. Man braucht nicht „an den Klimawandel zu glauben“.6 Er ist Fakt. Das hat ganz klare Auswirkungen auf mein politisches Handeln: Wie wollen wir unsere Kommunen ausgestalten, damit wir in 20 Jahren nicht buchstäblich den Hitzetod in den Städten sterben bzw. dass nicht nur die, die es sich leisten können, ein gutes Auskommen haben, sondern auch alle anderen nicht ins Schwitzen geraten.

Epilog

Was fehlt: Eine „Segelschule“, Reiseführer Umbrien/Toskana, Becksche Reihe über die deutsche Geschichte, Comics (Calvin und Hobbes, Asterix, Ralf König) und, und, und. Bücher sind ein prägender Teil meines Lebens. Ich könnte noch so viele aufzählen. Mit dieser Beschränkung auf 10 habe ich eine Auswahl und auch eine Reihung versucht, aber auf keinen Fall eine wie auch immer geartete Rangfolge erstellt. Vielleicht lohnt es sich, irgendwann mal 10 andere aus dem Regal zu picken. Sicher ergeben sich da auch Querverbindungen, fallen mir Geschichten und Geschichtchen dazu ein. Und natürlich kann ich auch die (nicht nur für Kunden) von mir gemachten Bücher betrachten. Aber das ist dann eine ganz andere Geschichte.

Ich bin gespannt, welcher Facebook-Kettenbrief, welche Nominierung mich als nächstes erreicht.

Umbrien 2017: Tag 6 — Toskana-Tour

Jetzt sitzen wir hier, auf der Terasse der Cantina Gattavecchi in Montepulciano. Die Sonne ist schon untergegangen, langsam wird es dunkel und auf der anderen Seite des Tals gehen immer mehr Lichter an. Wir hatten ein wunderbares Abendessen und bestellen gleich für mich noch ein Glas Wein. Heute Abend haben wir sogar Livemusik vor der Nase. Während wir gegessen haben, baute die eine Hälfte einer 2-Mann-Band die Percussion direkt vor uns auf, der zweite spielt Gitarre und wir hören einen Mix aus Rock und Jazz, sehr schön. Weiterlesen

Umbrien 2017: Tag 0 bis 3 — Zeit für den Nachtrag der ersten dreieinhalb Tage

Tag 0: Packen

So zeitig waren wir noch nie. Schon abends vor der Abfahrt war das Auto weitgehend gepackt… Inklusive Entsafter, Marmeladengläsern und diesmal sogar Spiele dabei.

Tag 1: Bonn – Cernobbio

Im Nieselwetter los, je höher im Rheintal, desto sonniger wurde es. Stopp in Bruchsal und Schauinsland, da haben wir aber nur kurz die Vignette gekauft. Dann über die Grenze in die Schweiz. Achtung: nach den Tunneln immer ein Blitzer! Auch in diesem Jahr sind wir über den Pass und nicht durch den Gotthard-Tunnel gefahren. Diesmal bei Sonnenschein.

Jetzt dauert es nicht mehr lang: nur noch runter ins Tal, am Lago Maggiore und Lago Lugano vorbei und dann kurz hinter der Grenze in Chiasso links (!) von der Autobahn ab, nach Cernobbio rein.

Hier haben wir mit dem Terzo Crotto eine inzwischen fast traditionelle Übernachtungsstation. In diesem Jahr sind wir das dritte Mal hier. Ein Haus mit einem wunderbar leicht morbiden Charme mit einer exzellenten Küche und einem noch besseren Weinkeller.

Abends am See noch ein wenig vom Lake Como Film Festival erlebt.

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Worüber wir abgestimmt haben und was der OB daraus macht

Heute wurden die Stimmen des ersten Bürgerentscheids in Bonn ausgezählt. Im Vorfeld herrschte eine durchaus aufgeheizte Atmosphäre, ich habe mich ein ums andere Mal gefragt, wie alle Beteiligten „am Tag danach“ wieder von ihren Bäumen kommen würden. Ich möchte mich an dieser Stelle gar nicht über die Werbekampagne von Stadt/OB auslassen, auch andere Dinge wären sicher auch noch einer Nach-Betrachtung wert. Es geht mir um eine Pressemitteilung, die die Stadt kurz nach der Bekanntgabe des Endergebnisses herausgeben hat.

Um direkt mit der Tür ins Haus zu fallen: „51,64 Prozent stimmen für ein neues Schwimmbad“ ist meines Erachtens nicht das Ergebnis des Bürgerentscheids. Denn die Frage, über die abgestimmt wurde, lautete: „Soll das Kurfürstenbad erhalten, wieder nutzbar gemacht und saniert werden?“ Diese wurde von 51,64% der Menschen, die am Entscheid teilgenommen haben, verneint. Wenn man das nun in eine Positiv-Aussage wenden möchte, bedeutet das, dass eine Mehrheit sich dafür ausgesprochen hat, dass das Kurfürstenbad geschossen bleibt, nicht saniert und nicht wieder nutzbar gemacht wird. Da ist von dem geplanten neuen Bad noch keine Rede. Es könnte auch schlicht damit Schluss sein. Das Bad bleibt geschlossen, Schul- und sonstiges Schwimmen muss halt neu organisiert werden, das eingesparte Geld kommt anderen Dingen zu gute. Der Link zum neuen Schwimmbad entsteht erst dadurch, dass das neue Bad — wenn überhaupt — nur dann annähernd wirtschaftlich betrieben werden kann, wenn mindestens zwei (!) Bäder in Bonn als Schwimmbäder geschlossen werden.1 Aber ob das neue Bad überhaupt kommt, steht ja nach den Finanzzahlen, die passender Weise erst zwei Tage vor Ende des Bürgerentscheids ans Licht kamen, ein wenig in Frage. Aber der OB will ja, wenn jetzt so richtig losgeplant werden kann, auch irgendwann mal Zahlen nennen. Ob bei deren Interpretation dann genau so elastisch mit der Wahrheit umgegangen wird?

ANT XIV/3: Einmal in den Süden und zurück.

Ureinwohner

Ureinwohner

In letzter Zeit bin ich wieder häufiger gefragt worden, wo denn mein Interesse an und Wissen rund um Klima- und Polarforschung etc. herrührt. Nun, für ein paar Jahre war ich Polarforscher. Das steht sogar auf einer Fahrkarte der Jungfraubahn.1 Aber das ist eine andere Geschichte. Während dieser Zeit hatte ich die für mich auch nach 20 Jahren noch unglaubliche Gelegenheit, einen dreimonatigen Forschungsaufenthalt in der Antarktis absolvieren zu dürfen. Hier also nun mein Kurzbericht zu dieser Reise.

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Und es war kein Raum in der Herberge…

Am letzten Donnerstag hatte ich ein echtes Krippen-Erlebnis. Ich war von den Initiatoren des Deutzer Forums zum diesjährigen lebendigen Adventskalender eingeladen worden, einen Kurzvortrag zum Thema „Weihnachtskrippen“ zu halten. Als Ort war die Krippe im Horion-Haus des LVR vorgeschlagen, die dort seit vielen Jahren aufgebaut wird und auch schon lange Teil des Kölner Krippenweges ist. Nun, in diesem Jahr nicht. Ich kam etwa eine halbe Stunde vor Beginn meines Adventskalender-Fensters in Deutz an, betrat das Foyer des Horion-Hauses und fand: keine Krippe. Der freundliche Herr am Empfang konnte mir nicht weiterhelfen. Krippe, hätte er noch nie hier gesehen. Auch seine Nachfrage beim Kollegen im Landeshaus gegenüber blieb erfolglos: auch dort keine Krippe. Was tun? Inzwischen waren die ersten am Krippenvortrag interessierten Deutzerinnen und Deutzer eingetroffen. Meine erste spontane Idee war: wir bauen einfach selbst eine lebendige Krippe auf. Eine der Teilnehmerinnen war direkt begeistert und zog ihre Haarspange aus dem Zopf: „Das ist der Stern von Bethlehem!“ Eine schöne Idee, denn die Haarspange ließ sich per Knopfdruck zum Leuchten bringen. Einige der Anwesenden erklärten sich auch spontan bereit, die Hirten zu spielen. Weiterlesen

Von echten und symbolischen Kürbisköpfen

Heute Abend ist es also wieder so weit: Mit Beginn der Dämmerung laufen gruselig verkleidete Kinder durch ihre Wohnviertel und fordern mit dem Ruf „trick or treat“ Süßigkeiten ein. Wenn die kleinen schon längst wieder zu Hause sind, ziehen die älteren Geschwister zur Halloweenparty, zurechtgemacht als Hexe, Vampir, Zombie oder sonst wie, Hauptsache irgendwie schaurig. Eltern genießen den dann ruhigen Abend mit Kürbissuppe, vielleicht exotisch mit Kokosmilch, vielleicht klassisch mit Kürbisöl und gerösteten Kürbiskernen. Damit lässt sich ja wunderbar das beim Aushöhlen der Deko-Kürbisse für den Vorgarten angefallene Kürbisfruchtfleisch verarbeiten. Alle freuen sich auf den folgenden Feiertag Allerheiligen zum Ausschlafen. Es ist Halloween.

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Bonn in Orange — Müllwerker für einen Tag, Teil 4

Bonn in Orange, HerbstHeute ging es für mich zum vierten Mal mit bonnorange1 raus „ins Revier“: Biomüll in Ückesdorf und Röttgen.2 Wieder Wecker 5:30 Uhr, Dienstantritt 6:30 Uhr, Ausfahrt ins Revier 7:00 Uhr. Mittlerweile scheint es sich im Unternehmen endgültig rumgesprochen zu haben, was ich so treibe: herzliches Zuwinken oder „Na, biste wieder dabei? Wie is’et denn?“ auf dem Hof von Kollegen, mit denen ich schon unterwegs war und kein Fremdeln bei den dreien, mit denen ich heute unterwegs war. Das ist schon ein schönes Feedback.

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Elsass — am Tag der Deutschen Einheit.

Am Samstag, den 1. Oktober 2016 haben wir die Hochzeit einer Cousine in Waldkirch in der Nähe von Freiburg im Breisgau gefeiert. Was lag da näher, als den Feiertag am Montag, den 3. Oktober noch „mitzunehmen“, einen Kurzurlaub zu machen. Und wenn wir schon in der Gegend sind: Colmar stand seit einiger Zeit ganz oben auf der Liste der wichtigen Ziele. Aber Moment, welcher Feiertag ist das doch gleich? Der Tag der Deutschen Einheit.1 Darüber, dass dieser Feiertag wohl der ist, der am wenigsten in der Bevölkerung angekommen ist, könnte ich einen eigenen Text schreiben. Gerade in den letzten Wochen und Monaten sind ja die Auswirkungen davon deutlich zu spüren, dass es nicht gelungen ist, die Errungenschaften der Europäischen Einigung und der Deutschen Wiedervereinigung in den Herzen und Seelen der Menschen positiv zu verankern. Und wenn es keine Errungenschaft ist, am deutschen Nationalfeiertag ohne Grenzkontrollen oder Aufsehen oder auch nur komischen Bemerkungen im Elsass, also beim „Erbfeind“2 durch die Stadt zu spazieren, dabei offen deutsch zu sprechen, dann weiß ich es auch nicht. Damit soll es aber genug sein mit diesem „Alles ist politisch“. Es folgt ein kleiner Reisebericht mit einigen Photos.3

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