Worüber wir abgestimmt haben und was der OB daraus macht

Heu­te wur­den die Stim­men des ers­ten Bür­ger­ent­scheids in Bonn aus­ge­zählt. Im Vor­feld herrsch­te eine durch­aus auf­ge­heiz­te Atmo­sphä­re, ich habe mich ein ums ande­re Mal gefragt, wie alle Betei­lig­ten “am Tag danach” wie­der von ihren Bäu­men kom­men wür­den. Ich möch­te mich an die­ser Stel­le gar nicht über die Wer­be­kam­pa­gne von Stadt/OB aus­las­sen, auch ande­re Din­ge wären sicher auch noch einer Nach-Betrach­tung wert. Es geht mir um eine Pres­se­mit­tei­lung, die die Stadt kurz nach der Bekannt­ga­be des End­ergeb­nis­ses her­aus­ge­ben hat.

Um direkt mit der Tür ins Haus zu fal­len: “51,64 Pro­zent stim­men für ein neu­es Schwimm­bad” ist mei­nes Erach­tens nicht das Ergeb­nis des Bür­ger­ent­scheids. Denn die Fra­ge, über die abge­stimmt wur­de, lau­te­te: “Soll das Kur­fürs­ten­bad erhal­ten, wie­der nutz­bar gemacht und saniert wer­den?” Die­se wur­de von 51,64% der Men­schen, die am Ent­scheid teil­ge­nom­men haben, ver­neint. Wenn man das nun in eine Posi­tiv-Aus­sa­ge wen­den möch­te, bedeu­tet das, dass eine Mehr­heit sich dafür aus­ge­spro­chen hat, dass das Kur­fürs­ten­bad geschos­sen bleibt, nicht saniert und nicht wie­der nutz­bar gemacht wird. Da ist von dem geplan­ten neu­en Bad noch kei­ne Rede. Es könn­te auch schlicht damit Schluss sein. Das Bad bleibt geschlos­sen, Schul- und sons­ti­ges Schwim­men muss halt neu orga­ni­siert wer­den, das ein­ge­spar­te Geld kommt ande­ren Din­gen zu gute. Der Link zum neu­en Schwimm­bad ent­steht erst dadurch, dass das neue Bad — wenn über­haupt — nur dann annä­hernd wirt­schaft­lich betrie­ben wer­den kann, wenn min­des­tens zwei (!) Bäder in Bonn als Schwimm­bä­der geschlos­sen wer­den.1 Aber ob das neue Bad über­haupt kommt, steht ja nach den Finanz­zah­len, die pas­sen­der Wei­se erst zwei Tage vor Ende des Bür­ger­ent­scheids ans Licht kamen, ein wenig in Fra­ge. Aber der OB will ja, wenn jetzt so rich­tig los­ge­plant wer­den kann, auch irgend­wann mal Zah­len nen­nen. Ob bei deren Inter­pre­ta­ti­on dann genau so elas­tisch mit der Wahr­heit umge­gan­gen wird?