Bonn in Orange — Müllwerker für einen Tag, Teil 4

Bonn in Orange, HerbstHeu­te ging es für mich zum vier­ten Mal mit bon­noran­ge1 raus “ins Revier”: Bio­müll in Ückes­dorf und Rött­gen.2 Wie­der Wecker 5:30 Uhr, Dienst­an­tritt 6:30 Uhr, Aus­fahrt ins Revier 7:00 Uhr. Mitt­ler­wei­le scheint es sich im Unter­neh­men end­gül­tig rum­ge­spro­chen zu haben, was ich so trei­be: herz­li­ches Zuwin­ken oder “Na, bis­te wie­der dabei? Wie is’et denn?” auf dem Hof von Kol­le­gen, mit denen ich schon unter­wegs war und kein Frem­deln bei den drei­en, mit denen ich heu­te unter­wegs war. Das ist schon ein schö­nes Feed­back.

Zuge­teilt war ich dem Team auf BN OR 7050, dem viel­leicht schöns­ten, in jedem Fall aber auf­fäl­ligs­ten Bon­ner Müll­wa­gen: Ein Trom­mel­press­fahr­zeug3, des­sen Trom­mel vor eini­ger Zeit bunt lackiert wur­de. Der Start war heu­te wie­der im Stock­dun­keln. Zum Glück war und blieb es tro­cken, der Tag ent­wi­ckel­te sich zu einem schö­nen, son­ni­gen Herbst­tag. Das Revier ist geprägt von Ein­fa­mi­li­en­häu­sern. Mir fiel direkt auf, wie weni­ge Ton­nen am Stra­ßen­rand stan­den und brach­te das mit einem hohen Anteil an Eigen­kom­pos­tie­rung in sol­chen Sied­lun­gen in Ver­bin­dung. Jedoch, weit gefehlt: Es sind Schul­fe­ri­en! Das macht sich viel mehr bemerk­bar. Es ist sogar so, dass selbst an Ein­fa­mi­li­en­häu­sern nicht nur die Stan­dard-120l-Ton­ne ste­hen, son­dern auch 660l- oder gar 1.100l-Gefäße, teils rand­voll. Die gro­ßen Grund­stü­cke erzeu­gen eine Men­ge kom­pos­tier­ba­res Mate­ri­al, das aber nicht im eige­nen Gar­ten kom­pos­tiert wird. Nun gut.

Mitt­ler­wei­le — und selbst mit eini­gen Mona­ten Pau­se zwi­schen den “Ein­sät­zen” — kommt bei mir so etwas wie Rou­ti­ne auf: Die Hand­grif­fe sit­zen immer bes­ser, auf dem Tritt­brett bei drei­ßig Sachen mit­zu­fah­ren und wie der Fah­rer um enge Kur­ven manö­vriert, ist zwar immer noch beein­dru­ckend, aber eben nicht mehr so spek­ta­ku­lär wie beim ers­ten Mal. Viel­leicht neh­me ich dadurch inzwi­schen eini­ge Aspek­te wahr, die ich bis­her nicht so rea­li­siert habe. Zum Bei­spiel: Wie wer­den Müll­wer­ker im Stra­ßen­raum wahr­ge­nom­men? Zwei Extre­me möch­te ich dar­stel­len: Zunächst der Fahr­rad­fah­rer, der in engst­mög­li­cher Kur­ve um uns (also Fahr­zeug und Müll­wer­ker) her­um­zir­keln möch­te. In einer Anwoh­ner­stra­ße ohne wei­te­ren Ver­kehr ist es mei­nes Erach­tens nicht not­wen­dig, ohne nen­nens­wer­ten Abstand um arbei­ten­de Men­schen, die gera­de den Müll der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger der Stadt ent­sor­gen, mit maxi­ma­ler Geschwin­dig­keit her­um­zu­bret­tern. Dann noch erbost zu meckern, weil ich nicht sofort zur Sei­te gesprun­gen bin (und er brem­sen muss­te, um mich nicht umzu­sem­meln), fin­de ich frech. Aber gut, wir brin­gen ja nur Euren Müll weg. Übri­gens ist mir das heu­te zum ers­ten Mal pas­siert, aus­ge­rech­net im “Bes­se­re-Leu­te-Vier­tel”…

Am ande­ren Ende der Ska­la: Kin­der. Immer wie­der und ver­läss­lich, mit gro­ßen Augen wird das gro­ße, bun­te, lau­te, blin­ken­de Auto bestaunt. Väter und Müt­ter win­ken mit und erzäh­len, dass die Müll­au­tos ganz gro­ße Klas­se sind und Müll­wer­ker sowie­so die Hel­den. Das macht dann wie­der rich­tig Spaß. Ich hof­fe, dass da etwas von hän­gen bleibt. Denn ohne nun ein gro­ßes Fazit vor­weg­zu­neh­men: Wenn das Bewusst­sein für den Abfall nicht beim Deckel der eige­nen Ton­ne auf­hört, son­dern wenigs­tens bis zur Müll­ab­fuhr geht, ist das schon etwas (sie­he ers­tes Bei­spiel).

Ich war ja echt gespannt, ob Bio­müll eine Her­aus­for­de­rung für die Nase sein wür­de. Aber bis auf weni­ge Aus­nah­men war das alles nicht wei­ter auf­fäl­lig. Nun gut, den Geruch begin­nen­der Kom­pos­tie­rung und Gärung von Grün­ma­te­ri­al wie Rasen und/oder Grün­schnitt emp­fin­de ich nicht als Beläs­ti­gung. Durch die gro­ße Tro­cken­heit der letz­ten Wochen war der sicher auch eher gering aus­ge­prägt. Und die paar Male, die es nach ver­go­re­nen Äpfeln, Apfel­si­nen oder ande­rem Obst und Gemü­se roch, waren auch okay. Da war der “Duft” beim Sperr­müll4 “anstren­gen­der”. Inter­es­san­ter war das Gewicht der Ton­nen: Von “Ist da über­haupt etwas drin?” bis “Lässt sich ja kaum bewe­gen” war selbst bei den 120l-Ton­nen alles dabei. Das größ­te Pro­blem bei den schwe­ren bis über­la­de­nen Ton­nen: Sie lösen sich in der Schüt­tung von den Haken und ver­schwin­den in der Pres­se (Bilanz: s.u.). Und anders als bei den “nor­ma­len” Press­fahr­zeu­gen sind sie in der Rota­ti­on sofort weg und zer­stört. Kon­se­quenz: Der Fah­rer notiert sich die betrof­fe­ne Adres­se und bon­noran­ge lie­fert umge­hend Ersatz.

Es zeich­ne­te sich ab, dass wir unse­re Tour voll­stän­dig abar­bei­ten konn­ten, ohne zwi­schen­durch abkip­pen zu müs­sen. “Müs­sen” ist bei den moder­nen Fahr­zeu­gen ganz ein­deu­tig: sowohl beim Volu­men als auch beim Gewicht macht die Tech­nik “zu”, wenn die zuläs­si­gen Gren­zen erreicht sind. Über­la­den, um noch die letz­ten drei bis zehn Ton­nen mit­zu­neh­men, geht nicht. Kurz vor Ende zeig­te die inter­ne Waa­ge 24,5t Gesamt­ge­wicht, also noch etwa ein­ein­halb Ton­nen bis zum Anschlag. Das soll­te klap­pen. Als auch die letz­te Ton­ne geleert war, ging es zur Kom­post­an­la­ge nach Miel5. In der gro­ßen Hal­le wur­de der Wagen­in­halt vor einem bereits vor­han­de­nen, gro­ßen, damp­fen­den Hau­fen abge­presst. Dabei kamen dann auch die “ver­schluck­ten” Ton­nen lädiert wie­der zum Vor­schein. Letzt­end­lich waren es knapp 10t Bio­müll, die wir heu­te auf unse­rer Tour gesam­melt haben.

Bleibt noch zum Schluss: Ein herz­li­cher Dank an die drei Kol­le­gen, mit denen ich heu­te einen wun­der­ba­ren und inter­es­san­ten Tag hat­te.

  1. Home­page: https://www.bonnorange.de
  2. War­um das Gan­ze ist in Teil 1 erklärt.
  3. FAUN Roto­press: http://www.faun.com/abfallsammelfahrzeuge/hecklader/rotopress/
  4. s. Bonn in Oran­ge, Teil 2
  5. Home­page KRS: http://www.krs.rsag.de

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