Bonn in Orange — Müllwerker für einen Tag, Teil 2

20160330_Bonn_In_OrangeHeu­te (31.03.2016) bin ich mei­ne zwei­te Tour mit bon­noran­ge gefah­ren. Nach dem Rest­müll (s. hier, dort ist auch erklärt, war­um ich das mache) stand nun Sperr­müll auf dem Pro­gramm. Wie­der 6:30 Uhr “Dienst­an­tritt”, umzie­hen, umzie­hen und raus zum Wagen. Wie­der die ers­ten Frot­ze­lei­en “Oh, Ver­stär­kung!” “Wills­te auch anpa­cken?”, gepaart mit gegen­sei­ti­gem Beäu­gen, Kol­le­gen ken­nen ler­nen, klä­ren, dass es per Du ein­fa­cher geht etc. pp. Um 7:00 Uhr ging es dann raus.

Anfahrt ins Revier

Anfahrt ins Revier

Mein” Revier war heu­te (Sperrmüll-)Revier 48, Holzlar/Kohlkau.1 Also durch den mor­gend­li­chen Stau am Ver­tei­ler­kreis über A565 und A59 auf die Bon­ner Son­nen­sei­te. (War aber heu­te nicht viel mit Son­ne; anfangs noch tro­cken, irgend­wann Nie­sel­re­gen, zum Schluss auf dem Rück­weg fing dann “rich­ti­ger” Regen an.)

Gestar­tet wur­de im Bereich von Ein­fa­mi­li­en- und klei­nen Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern: Hier mal ein Schrank oder Stuhl, ein Bett, mal mit oder mal ohne Matrat­ze etc. Jedes ein­zel­ne Teil muss vom Boden auf­ge­nom­men und in das Fahr­zeug beför­dert wer­den. Ganz schön anstren­gend, vor allem wenn sich bei nas­sem Wet­ter Matrat­zen oder Sofas schon mit Was­ser voll­ge­so­gen haben. Auf der Stre­cke zudem: Fuß­we­ge von Haus zu Haus, oder aber Tritt­brett­fah­ren.2 Nach ca. zwei Stun­den war der Wagen voll. Nichts ging mehr rein. Also ab zur Sperr­müll­sor­tier­an­la­ge des RSAG nach Trois­dorf. Beim Rein­fah­ren auf die Waa­ge und nach dem Ent­lee­ren wie­der. Ergeb­nis: 8,1t.

Von der Sor­tier­an­la­ge ging es nicht sofort wie­der ins Revier. Der Fah­rer muss­te bald sei­ne Lenk­pau­se machen, also sind wir erst zurück zum Betriebs­hof. Früh­stücks­pau­se in der Kan­ti­ne. Auch hier wie­der: Wer ist das denn? Wie, aus der Poli­tik? Will der uns begut­ach­ten? “Mein” Fah­rer kon­ter­te aber schon “Nee, der packt rich­tig mit an!” Das hat mich dann auch gefreut.

In der zwei­ten Run­de waren wir an ein paar weni­gen Wohn­an­la­gen. Da brauch­te es teil­wei­se ein biss­chen län­ger, bis alles im Wagen war. An man­chen Häu­sern schie­nen sich wohl ein oder meh­re­re kom­plet­te Woh­nungs­ein­rich­tun­gen gesam­melt zu haben — inklu­si­ve Kühl­schrän­ke und ande­rem Zeugs, was nicht in den Sperr­müll gehört. Irgend­wo drin muss auch eine Magn­um­fla­sche Dusch­gel ver­steckt gewe­sen zu sein. Die platz­te prompt in der Pres­se, das Dusch­gel ergoss sich in die Schüt­tung, und es “duf­te­te” die nächs­te hal­be Stun­de ganz wun­der­bar frisch und sau­ber.3

Gegen 12:30 Uhr war dann der Wagen wie­der voll. Laut Waa­ge in Trois­dorf die­ses Mal 8,3t.4 Danach war Schicht. Zurück an den Lie­ve­lings­weg, umzie­hen, durch den nun stär­ker wer­den­den Regen nach Hau­se, duschen, auf die Couch und gut war es für heu­te. Einen herz­li­chen Dank noch­mal an die drei Kol­le­gen auf dem Wagen. Ihr habt mir viel gezeigt, ich habe eine Men­ge gelernt! Es war wie­der ein inter­es­san­ter Tag auf der Stra­ße, auch wenn ich die unge­wohn­ten und anstren­gen­den Bewe­gun­gen in den nächs­ten Tagen noch spü­ren wer­de.

IMG_0631_ed

PS: Still in mich rein gegrinst habe ich, als wir an einer Bus­hal­te­stel­le vor­bei­fuh­ren, an der gera­de ein ande­res Ver­wal­tungs­rats­mit­glied von bon­noran­ge auf den Bus war­te­te.

  1. Das Stadt­ge­biet Bonn ist in 50 Sperr­müll­re­vie­re unter­teilt. Jeden Tag fah­ren vier Fahr­zeu­ge mit jeweils einem Fah­rer und zwei Ladern in das glei­che Revier. Für die vier Abfahr­ten pro Revier im Jahr benö­tigt bon­noran­ge somit 200 Tagen.
  2. Sind die Tritt­bret­ter am Heck des Fahr­zeugs aus­ge­klappt, wird das Fahr­zeug auto­ma­tisch bei 30km/h abge­re­gelt. Aber auch das ist schon fix genug, vor allem, wenn es mit Schma­ckes um eine Kur­ve geht. Denn die hin­te­re Ach­se ist gelenkt, das Heck schwenkt also ziem­lich aus.
  3. Im Gegen­satz zum Rest­müll riecht der Sperr­müll ansons­ten kaum.
  4. Ins­ge­samt haben wir zu dritt also gut 16t Mate­ri­al von Hand vom Boden in die Schüt­tung beför­dert.

3 Gedanken zu „Bonn in Orange — Müllwerker für einen Tag, Teil 2

  1. Pingback: Bonn in Orange — Müllwerker für einen Tag, Teil 3 | Kressesüppchen

  2. Pingback: Ein Tag in der MVA Bonn | Kressesüppchen

  3. Pingback: Bonn in Orange — Kehrmännchen, Teil 2 | Kressesüppchen

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.