Urlaubsnotizen 2013, Nr. 017: Was sonst noch zu berichten ist.

Von Menschen und WildschweinenDamit sind wir beim letzten Beitrag für den Umrbien-Urlaub 2013 angekommen. Es wird wohl ein ziemliches Sammelsurium aus Begebenheiten, die wir bis jetzt noch nicht untergebracht haben, die wir aber doch wenigstens für erwähnenswert halten.

Fangen wir doch der Einfachheit halber mal wieder mit der Küchenecke an. Ein Muss in allen Jahren, und so auch dieses Mal, war die Zubereitung von Panna Cotta. In Italien firmiert der Lebensmittelkonzern aus B**l*f*ld unter dem Namen Cameo und bietet ein entsprechendes Tütenprodukt an. Das Ergebnis ist durchaus schmackhaft, ein Blick in ein Kochbuch belehrte uns aber, dass die gekochte Sahne auch sehr einfach aus frischen Zutaten herzustellen ist. Wir werden es demnächst mal ausprobieren.

Panna Cotta

Panna Cotta

So ganz ohne Arbeit oder EDV-Gedöns waren wir ja nicht unterwegs. Das wundert vielleicht auch nicht wirklich. Stephan hat die Zeit unter anderem dazu genutzt, die ersten Aufsätze für den Tagungsband der letztjährigen BGVK-Tagung zu setzen. Oder wenigstens damit anzufangen…

Satzwerkstatt

Satzwerkstatt

Weitere Tiere, die wir (am oder im Haus) gesichtet haben:

  • Skorpion
  • Iltis oder Marder (er war auch im Motorraum unseres Autos, jedenfalls fanden wir Haare von seinem Fell an der Batterieabdeckung und der Dämmung der Motorhaube)
  • Katze
  • Rehbock

Leider hat es bei keinem der genannten zum Tier des Tages gereicht. Der Skorpion hätte zwar das Zeug dazu gehabt — es gibt ja immerhin ein Photo von ihm. Aber nach dem Photo war er nicht mehr.

Skorpion

Skorpion

Urlaubsnotizen 2013, Nr. 016: Am Rhein: vom Schwäbischen Meer nach Bonn

Von Menschen und WildschweinenIm letzten Beitrag hat Dagmar von unserem Kulturschock berichtet, den wir am Gardasee erlitten haben. Die vorletzte Etappe führte uns zu einem weiteren See, dem See, dem Bodensee. Die Fahrt von Riva del Garda nach Radolfzell zog sich ziemlich in die Länge, da unsere Uschi (das Navi) kurz hinter Innsbruck meinte, und zur Zeitersparnis von 1,5h über den Fernpass und dann durchs Allgäu und durch Schwaben ans Ziel führte. Die Strecke ist allemal schöner als die durchs Inntal, aber eben doch recht lang. Nun gut.

Schwäbisches Meer

Schwäbisches Meer

Damit kamen wir also implizit am Rhein an. Zwar auf der Schäl Sick, aber immer hin. Wir sind abends noch mit meinen Verwandten in Radolfzell an den See gefahren und haben eine Vesper mit Fleischkäse und Kartoffelsalat genossen. Damit bekam der Urlaub auch eine kulinarische Rahmenhandlung: am ersten Abend gab’s ja gleiches, zwar in Murnau, aber immerhin. Voller stolz wurde uns vorm zu Bett gehen gesagt, dass das Haus eigentlich schnakenfrei sei. Ich habe in unserem Zimmer auf anhieb sechs erlegt, und ein oder zwei bedrängte uns noch des Nachts. Ich fragte mich schon, wie es dann wohl wäre, wenn das Haus nicht schnakenfrei ist. Aber Onkel und Tante gaben dann am nächsten Morgen selbst zu, dass die von ihnen gemachte Aussage wohl auf die vergangene Nacht nicht zugetroffen habe, sie wären selbst auch auf Jagd gegangen…

Imperia

Imperia

Wie der Zufall (so es den denn überhaupt gibt) wollte, war Freundin L. gerade auch am See. In Konstanz um genau zu sein. Wir haben uns spontan zu einem Café mit ihr in ihrem „Stammlokal“ getroffen. Ein wunderbares Café mitten in der Stadt, direkt am Sankt-Stephans-Platz. Unter Bäumen war von dem touristischen Treiben, das nur wenig entfernt herrscht, nichts zu merken. Freundin L. hat uns dann noch eine Führung durch die Altstadt gegeben. Herzlichen Dank dafür!

Danach ging es dann zur letzten Etappe auf die Piste, quasi immer am Rhein entlang unter leichtem Schnippeln des Flussverlaufs bzw. unter Beachtung der Routenführung u.a. der A81, A8, A5, A6, A61, A565. Zu Hause angekommen erwartete uns zu unserer großen Freunde eine wunderbar gediehene Blumenwiese. Aber das ist ja eine andere Geschichte.

Blumenwiese

Blumenwiese

Urlaubsnotitzen 2013, Nr. 15: Zwischenstation

Von Menschen und WildschweinenAm morgen haben wir bei trübem Wetter die letzten Aufräum- und Packarbeiten erledigt. Aber immer mehr kam die Sonne durch – und bei uns doch ein paar kleine Zweifel: Sollen wir wirklich heute schon fahren oder bleiben wir doch einfach bis morgen? Noch ein Tag hier im Schatten der Kiefer liegen? Aber blöd: die Bücherkiste ist schon eingepackt und ziemlich weit unten im Kofferraum verstaut. Und die Fahrt zum Bodensee verdammt weit. Also gut, Abschied vom Haus und den Wildschweinen und kleinen Drachen und los gehts.

Die Fahrt lief ohne große Störungen oder Verzögerungen, ganz entspannt an Florenz und Bologna vorbei. Pause an einem relativ großen (und vollem) Rastplatz der – eine Autobahnkapelle hat. Ich dachte immer, das sei typisch deutsch. Hier haben wir aber nett gepicknickt. Das Essen des mitgenommenen Jogurts, der schon ziemlich flüssig ob der Temperaturen war, gestaltete sich für Zuschauer interessant: keine Löffel dabei – und der in der Kaffeebar gekaufte Espresso (der letzte italienische, ein Drama für Stephan) lieferte nur einen kleinen Plastikstab zum umrühren mit.

Hier beim Kaffee diskutieren wir aus, wo wir nun unsere Zwischenstation machen wollen: zur Abstimmung standen Bozen, Verona – und Gardasee. Auf letzteren haben wir uns geeinigt. Also weiterfahren – bis zur Abfahrt Riva del Garda, die Nordspitze vom See. Schon die Landstraße war voll, vor allem voller deutscher Autos. Und Radfahrer. Massen von Menschen unterwegs. Wir hatten nach der Mautstation kurz gehalten und mit Stephans kleinem Zauberkasten ein Hotelzimmer gebucht. Und ebendieser Kasten leitete uns mit freundlicher Frauenstimme bis dort vor die Tür. Ein nettes Hotel!

Aber erstmal ein bisschen die Füße vertreten – und ich wollte natürlich unbedingt zum Wasser. Ja. Das war auch schön dort, aber das wissen auch verdammt viele andere Leute. Radfahrer zum Beispiel, vor allem diese coolen. Ein schönes Bild war eine sehr coole Strandbar, vor der etwa 2 Dutzend dieser komischen Sitzsäcke lagen, und auf jedem Sitz lag ein Sack. Ich glaube, gerade für Männer über 55 ist eine Alpenüberquerung per Fahrrad die ultimative Therapie zum Überstehen der Midlife-Crisis. Die Radlerhosen lenken vom Bauch ab und den verschwindenden Haaransatz kann man prima mit diesen Tüchern, die man gegen Sonnenstich um den Kopf knotet, kaschieren. Aber nicht nur Radler, auch die Surfer sind ganz ähnlich cool drauf. Insgesamt also eine echte Fremdheitserfahrung für mich – ethnologisch sehr wichtig, das mal mitzumachen. Ach ja, und der See ist wirklich schön.

Nach Rückkehr ins Hotel, duschen, stadtfein machen und essen haben wir dann noch einen Spaziergang zum See gemacht. Viel weniger Leute, weniger Wind, Sterne, Wasser, Lichter – ein sehr gelungener Abend. Ich denke, hier fahren wir mal wieder hin…

Gardasee bei Nacht

Gardasee bei Nacht

Gartennotiz 007: Blumenwiese Nr. 1

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Nun also endlich der Beitrag zu unserer Blumenwiese. Gleichzeitig wird das ein Aufruf zur aktiven Mitarbeit, denn wir sind eben „Absolute Beginners“. Als wir vor einigen Tagen aus dem Urlaub kamen, stand die Blumenwiese in voller Blütenpracht! Nun haben wir aber ein Problem: wir kennen noch längst nicht alle Blumen, die nun hier wachsen und gedeihen. Deshalb stellen wir hier nun eine Art virtuelles Herbarium ins Netz, benennen die Pflanzen, die wir kennen und hoffen auf Hilfe, die „restlichen“ zu bestimmen. Wir werden dann Stück für Stück das hier nachführen. Zunächst einmal zwei Bilder, wie die Blumenwiese so aussieht.

Und nun eine Galerie mit Detailaufnahmen. Klickt Euch durch und schreibt in die Kommentare, was Ihr (er)kennt.

Urlaubsnotizen 2013, Nr. 014: Die letzten Tage.

Von Menschen und WildschweinenMittlerweile sind wir schon wieder fast eine Woche zu Hause, ohne dass wir von den letzten Urlaubserlebnissen berichtet hätten. In diesem Beitrag versuche ich, das Wichtigsten von dem, was in den letzten drei Tagen in Umbrien passiert oder bis jetzt unter den Tisch gefallen ist, zu berichten.

Nach der etwas befremdlichen Tour, über die wir im letzten Text geschrieben haben, sind wir im Wesentlichen die verbleibenden Tage am Haus geblieben. Am Mittwoch sind wir noch nach Umbertide zum Markt gefahren. Wir haben eine Tischdecke mit Oliven-Muster gekauft. Der Rest der Tage war eher ruhig. Im Gegensatz zu den Nächten. Zuletzt kamen die Wildschweine deutlich seltener. Hingegen wurden wir in einer Nacht Ohrenzeugen des „Fressen und gefressen werden“. Jedenfalls hörte es sich so an, als ob ein Vogel von einem anderen Tier in einem recht schmerzvollen Kampf zur Strecke gebracht wurde. Wir vermuten, es war eine Schlange. Das war schon recht gruselig anzuhören.

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Die zweite Maus

Geradezu schlicht war dagegen die (zweite) Maus, die uns nun in die Falle gegangen ist. Die ersten haben wir ja mit Schokolade geködert, diese ist auf eine Weintraube reingefallen. Wir haben sie weit genug (?) vom Haus wieder ausgesetzt. Es muss aber noch eine weitere, deutlich intelligentere Maus im Haus befunden haben, denn manchmal war die Falle leer — Köder raus, aber Falle noch offen…

Regenstimmung

Nebel.

Nachmittags fing es bereits wieder an zu regnen — es deutete sich eine Art Rahmenhandlung zur ersten Urlaubswoche an. Daraufhin beschlossen wir, bereits am Donnerstag zu packen und am Freitag zu fahren — irgendwo hin in Norditalien, denn wir hatten uns (erst) für Samstag bei Verwandten am Bodensee angemeldet. Am Donnerstag setzte sich das diesige, regnerische Wetter fort. Das gab aber die Chance zu Eindrücken, die wir hier so noch nicht gesehen haben. Völlig baff waren wir, als uns Domenico, der „Hausmeister“, von uns bis jetzt „Signor Tutto Bene“ genannt, für den letzten Tag zu sich nach Hause zum Caffè einlud. In den letzen Jahren beschränkte sich nämlich die Kommunikation in etwas auf folgenden Ablauf:

Domenico: „Buon giorno. Tutto bene?“
Wir: „Si, tutto bene.“
Domenico: „Niente problemi?“
Wir: „No.“
Domenico: „Bene.“
Wir: „…“

Dieses Jahr jedoch kam tatsächlich so etwas wie eine Kommunikation zu Stande: Wann gekommen, wie lange bleiben, was gestern gemacht, hier, bitte, ein Glas Marmelade, von den Kirschen hier… Neben Caffè gab es noch seinen selbst gekelterten Wein, Limoncello aus eigenen Zitronen, von seiner Frau gebackenen Aprikosenkuchen (ja, Albicocche…). Der Italienisch-Kurs hat wirklich geholfen!

Urlaubsnotizen 2013, Nr. 013: Etrusker, Handwerk und Religiosität — oder doch alles anders.

Von Menschen und Wildschweinen

Die Route von heute ist recht übersichtlich und schnell genannt: Umbertide (E-Mails und Blog), Bettona, Deruta, Torgiano. Laut Reiseführer sollte es im ersten Ort eine schöne Aussicht auf die Valle Umbra von Perugia über Assisi bis nach Spello, inkl. des Monte Subasio sowie ein Etruskergrab geben. Deruta ist das Zentrum der umbrischen Maiolika-Produktion mit einer Wallfahrtskirche in der Nähe. Und in Torgiano soll es eine aufstrebende Wein- und Olivenölproduktion inkl. Probiermöglichkeiten und neuer, fachbezogener Museen geben. Das hörte sich nach einem ambitionierten Besuchsprogramm an, an dessen Schluss wir in Torgiano in einer Osteria einkehren wollten. Faktisch stimmt das alles, aber letztendlich war alles etwas (oder deutlich?) anders, als erwartet. Aber trotzdem interessant.

 

Nice View: Valle Umbra

Nice View: Valle Umbra

Die größte Übereinstimmung gab es noch in Bettona. Der Ausblick über das Tal und Perugia, Assisi sowie Spello am gegenüberliegende Hang der umbrischen Berge inkl. Monte Subasio ist schon imposant. Das Dorf auf dem Höhenrücken klein und übersichtlich, die drei Kirchen und das Museum — vorhersehbar — geschlossen zwischen 13:00 Uhr und 15:30 Uhr. Also nur eine kleine Mittagspause im Schatten auf einer Bank mit „Nice View“. Das Etruskergrab war auf der Fahrt in Richtung Deruta nicht zu verfehlen, der Zugang aber auch — vorhersehbar — geschlossen. Es lohnte also kein Zwischenstopp.

 

Deruta Centro.

Deruta Centro.

Kurz vor Deruta fingen die Merkwürdigkeiten aber schon an: Ein Showroom/Verkaufsraum für Ceramiche neben dem anderen. Aber alles völlig ausgestorben. Und das obwohl viele Läden — trotz Mittagspause — geöffnet hatten. Das setzte sich bis ins Zentrum von Deruta fort, dass — wie zu erwarten — auf einem Bergrücken liegt. Hier war es noch ruhiger. Falscher Tag? Falsche Tageszeit? Wir wissen es nicht. Dagmar jedenfalls ist ein bisschen reingefallen. „Vielleicht kaufe ich doch eine ganz kleine Kleinigkeit, so eine kleine bemalte Keramikkugel für eine Kette oder so“ — in einem Laden dann direkt vollgequatscht werden: „ah, allemagne, bellissima, mio padre in colonia… – for you I make a special price“ Jaja. Gekauft hat sie dann tatsächlich so eine Kette, allerdings war die Kugel nicht ohne ein bisschen Glitzertand zu haben.

 

Einkaufsrummel in Deruta.

Einkaufsrummel in Deruta.

 

Die nahe Wallfahrtskirche ist für Ihre Votivtafeln aus Majolika berühmt. Diese gehen bis in das 17. Jhdt. zurück, es finden sich aber auch aktuelle.

 

In Torgiano finden wir wieder die gähnende Leere vor: ein paar wenige Touristen, aber von Osterien, Probierstuben etc. kaum etwas zu finden. Die beiden Museen sind private Neugründungen einer Familie, die hier wohl (wirtschaftlich) erfolgreich versucht, in Umbrien ein Gegengewicht zu den D.O.C./D.O.C.G./I.G.T. zu Montefalco und die Toskana zu setzen.

 

TorgianoCimiteroVillageOutletCenter

Modernes Flair auch am Friedhof.

Richtig merkwürdig im wahrsten Sinne des Wortes wurde es aber an einer „Erinnerungsallee“, die aus der Stadt durch ein wieder aufgebautes mittelalterliches Stadttor zum Friedhof führt. An jedem Baum ein Stein mit Namen und (Todes-)Daten eines Soldaten des ersten Weltkriegs. Die Straße selbst wird nachts in der Mitte durch in den Boden eingelassene Uplights erleuchtet. Das ganze gibt eine schnurgerade Linie vom Ortszentrum zum Friedhof, der für dieses kleine Örtchen erstaunlich groß ist. Aufgeteilt in drei Teile spiegelt er irgendwie die Architekturgeschichte: Der alte Teil, ein ganz klassischer italienischer Friedhof mit Kolumbarien und dazwischen den typischen Familiengrüfte, spätes 19. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre. Der zweite Teil stammt aus den 70ern. Es sieht aus wie eine 70er Jahre Beton-Siedlung, alles grau, ziemlich normiert, die Familiengrüfte zwar irgendwie pompös, aber eben auch nackter Beton. Unsere Schulen sahen auch so aus. Und der wohl neueste Teil orientiert sich in Farbgebung und Stil irgendwie an den momentan modernen Village-Outlet-Centern. Kleine Häuschen in „toskana-gelb und -rot“, in Normgröße. Wirkt nicht so besonders lebendig, das ganze. Ist aber auch vielleicht zuviel verlangt, von einem Friedhof.

 

Wir sind dann doch lieber zurück in unser Haus gefahren und haben dort Pasta Zucchini è Ricotta und einen lokalen Vino bianco zu uns genommen.

 

 

 

Urlaubsnotizen 2013, Nr. 012: Nachtrag — Cortona

Von Menschen und WildschweinenUnser Cortaona-Besuch war einen Tag vor der Nordttour, die unter der Überschrift „Ausflug mit Maus“ hier bereits beschrieben wurde. Ich komme aber erst heute dazu, über diesen Ausflug zu schreiben.

Tier des Tages hätte heute eigentlich ein Wolf werden müssen. Ein solcher stand nämlich plötzlich vor unserem Auto während der Fahrt auf der Passstraße in Richtung Cortona. Leider hatten wir aber nicht schnell genug die Kamera griffbereit, bevor das imposante Tier sich wieder ins Unterholz schlug. Deshalb reicht es heute nur für einen Schmetterling, den wir in Cortona vor einer neobyzantinischen Kirche (1898 (?) geweiht, heute werden da gerne Hochzeiten gefeiert) gesehen haben.

Schmetterling

UnterDemBarockCortona haben wir dieses Jahr zum x-ten Mal besucht. Es ist immer wieder schön hier, in dieser Stadt am Hang des Mt. San Egidio: enge Gassen, die sich kreuz und quer über den und entlang des Sporn(s) ziehen, auf dem die Stadt liegt. In San Francesco kann man wunderbar die Stufen der Barockisierung der romanischen Kirche sehen. Ist aber eigentlich immer schade, wenn schon Barock, dann von Anfang an, wie in der Kirche Madonna del Belvedere (siehe Eintrag von gestern). Oder aber bitte die Romanik, Gotik oder Renaissance lassen. (Wie war das doch gleich mit der Historisieung oder dem „Originalzustand“?) Der Dom ist durch und durch barockisiert. Hier trifft man schon mal niederländische Vertretungsorganisten. Aber das wäre eine ganz andere Geschichte.

In diesem Jahr gab’s eine kleine Verwechselung. In der Pause in der Bar Signorelli haben wir einen Teil der Urlaubspostkarten geschrieben. Dagmar: Da gegenüber, auf dem anderen Platz ist doch das Postamt, da können wir die direkt einwerfen. Postamt? Wo hat sie ein Postamt gesehen??? Aber sie ist sich ganz sicher. Also, nochmal zurück zur zweiten Piazza, das Postamt suchen. Keins da. Statt dessen „Café della Poste“. Ahh, ja… Die Karten mussten dann noch etwas warten, bis wir einen Briefkasten gefunden haben.

Urlaubsnotiz 2013, Nr. 11: Ausflug mit Maus

Von Menschen und WildschweinenEine ist uns in die Falle gegangen heute nacht. Gefüllt mit Schokolade (70 %ige Bio-Fair-Trade, für unsere Mäuse nur das Beste…) war die Falle endlich attraktiv genug, heute morgen fanden wir ein Mäuschen in der Lebendfalle.

Maus in der Falle

Maus in der Falle

Bei der Frage, wohin nun mit der Maus, beschlossen wir, sie auf den ersten Teil unseres für heute geplanten Ausflugs mitzunehmen – nein, keine Sorge, wir haben ihr kein Museum in der Toskana angetan, sondern sie unten am Berg, wo unser Müllcontainer steht, freigelassen – und sind alleine weitergefahren. Zuerst kurz nach Cittá di Castello – wo heute kein Markt ist, wir also auch gar nicht erst aussteigen mussten, dann weiter nach Monterchi, wo wir unsere Pietro di Francesca-Tour mit seinem dort ausgestellten Fresco Madonna in Parto angefangen haben. Der Ausstellungsraum hat so gar nichts sakrales, es ist in einem voll klimatisierten relativ neuem Gebäude – trotzdem waren vor das Bild Blumen gelegt worden. Nachfrage beim Museumsmitarbeiter, ja, das kommt häufiger mal vor. Ja, und für meine Arbeit als Kulturanthropologen dürfe ich auch ausnahmsweise fotografieren, aber bitte nur die Blumen, nicht das Fresko.

Blick von Citerna nach Monterchi

Blick von Citerna nach Monterchi

Im nächsten Dorf, in Citerna, gab es vor allem schöne Aussicht, in der Fransziskuskirche aber dann in einem Nebenraum eine schöne Marienstatue. Jahrzehntelang stand sie relativ unbeachtet im Altarraum, bis 2001 eine Studentin sie als Donatello-Arbeit erkannte. Nach Restauration (dem eigentlich nackten Jesuskind hatte man vermutlich im 19. Jahrhundert ein Windeltuch umgelegt) ist sie nun wieder der Öffentlichkeit zugänglich — wenn die nette junge Frau aus dem Ticket-Office die Tür aufschließt und nach anfänglichem fremdeln dann doch die Geschichte dazu erzählt…

In San Guistino wollten wir dann noch schnell in den im Reiseführer empfohlenen Garten anschauen, der war aber zu. Also sind wir direkt weiter nach Sansepolcro, dort haben dann erstmal verdient eine etwas längere Pause gemacht – mit Cornetto Crema und Caffé.

Cornetto Crema

Cornetto Crema

Auch hier waren wir dann im Museum, danach noch etwas durch die Stadt geschlendert, in den Dom konnten wir nicht, weil ich meine Jacke verloren habe — an jedem Standort blieb sie erstmal im Auto, dann ist Stephan zurück zum Parkplatz, um sie mir doch zu holen — und in San Seprolcro war sie dann weg. Wir haben sie aber wiedergefunden (ich glaube, Stephan war insgeheim schon ein bisschen froh, dass die von mir heißgeliebte graue Strickjacke, die ich in gefühlten 15 Variationen habe, endlich weg ist…). Sie lag tatsächlich noch am Eingang von diesem Palazzo mit dem Garten in San Giustino — wo wir auf dem Rückweg nochmal vorbeigefahren sind, um endlich unser Picknick im Grünen zu machen. Aber der Garten war immer noch zu — ist auch nur Sonn- und Feiertags geöffnet, was wir auch morgens hätten direkt an der Tür lesen können, wenn wir mal auf das Schild geschaut hätten – aber hätte ist vorbei, und dann hätten wir ja auch meine Jacke nicht wiedergefunden…

So sind wir dann zur Madonna del Belvedere gefahren, oberhalb von Città di Castello, ein kleines barockes Schmuckstück mit schönem stillem Garten und wunderbarem Blick ins Tal. Dort auf einer Bank haben wir dann den Kirsch-Streuselkuchen ausgepackt und gepicknickt.

Und jetzt lassen wir den Tag ausklingen, sitzen mit einem Drink auf der großen Piazza von Città di Castello und gehen nachher in „unserer“ Osteria essen.

Urlaubsnotizen 2013, Nr. 010: Nichts — außer lesen und Marmeladekochen

Was ich bisher noch überhaupt nicht erwähnt habe, ist unsere diesjährige Reisebibliothek. Freund A., mit dem wir schon öfter zusammen hier waren, brachte es in sofern auf den Punkt, als er — da er dieses Jahr nicht mitkommen kann — sagte: „Ich vermisse schon Eure Bücherkiste. Die bedeutet für mich Urlaub.“ Abgesehen von der Tatsache, dass die genannte Kiste in einigen Jahre voll mit Fachliteratur meiner Diss war, hat er doch irgendwie recht. Auch dieses Jahr befinden sich neben dien unvermeidlichen Reiseführern der Häuser Baedeker und DuMont einiges an Lach- und Sachgeschichten darin — und auch der eine oder andere dicke Roman. Für mich essentiell sind in den Umbrienfahrten mittlerweile mehrere Bände „C.H.Beck Wissen“ aus der „Beck’sche[n] Reihe“ (die schreiben sich tatsächlich selbst mit der Kapostrophe). Dieses Jahr fange ich an mit „Der Siebenjährige Krieg“ von Marian Füssel. Zum „Ausgleich“ arbeite ich mich durch „Wir Ertrunkenen“ von Carsten Jensen. 120 Seiten Europäische Staatengeschichte vs. 810 Seiten faktenbasiertem historischem Roman dänischer Seefahrergeschichte. Dagmar hat sich „Wölfe“ von Hilary Mantel vorgenommen, kommt damit aber gut voran.

Mittlerweile sind ja die (ersten) Sauerkirschen reif. Dagmar hat heute gut zwei Kilo geerntet, ich habe sie entsteint und Dagmar hat sie zu acht Gläser Marmellata di Amarasca verarbeitet. Diesmal haben wir erst im Lexikon nachgesehen.[1]

Kirschkerne

[1] Anmerkung Dagmar: DU hast im Lexikon nachgesehen, ich hätte spontan wieder irgendwas geschrieben…

Urlaubsnotizen 2013, Nr. 009: Redaktionsstube und Freiluftzoo

Von Menschen und WildschweinenDie späten Vormittagsstunden/den frühen Mittag wieder in „unserem“ Café (…) verbracht. Dort gibt’s nicht nur guten Caffè, leckere Cornetti, einiges zu gucken, sondern auch gutes WLAN. Also E-Mails abrufen, (vor-)sortieren und die wichtigsten beantworten sowie die acht auf Halde produzierten Blog-Einträge online stellen. Danach noch einkaufen — um diese Zeit ist der Coop so gut wie leer — und dann wieder zurück zum Haus: ab in den Schatten, denn mittlerweile überspringt das Thermometer locker die 30°C-Marke.

RedaktionsstubeDie genannten „auf Halde produzierten“ Beiträge entstehen in einer wunderbaren Redaktionsstube. Unter einer weinberankten Pergola mit einem Blick in die Eichen-, Kiefern- und Kastanienwälder Umbriens. Hier sitzen wir etwas erhöht, das Haus im Rücken, vor uns, hinter einer Lavendelhecke fällt die Wiese mit einigen Olivenbäumen sanft zum Waldrand ab. Anziehungspunkt für allerlei Tiere ist der riesige Süßkirschbaum direkt vor uns.

 

Nach dem nun am ersten Tag (und seit dem mehrmals täglich — wir berichteten bereits) uns die Wildschweine besucht haben, kamen noch einige andere Tiere teils näher ans Haus, als in jedem anderen (Streichel-)Zoo der Welt. Deshalb lohnt es sich, eine neue Kategorie einzuführen: Das Tier des Tages. Heute: Der Dachs. Ihn haben wir bereits letztes Jahr gesehen, aber mehr im Dunkeln, heute also quasi am helllichten Tage.

Dachs Folgende Tiere wurden bereits gesichtet, bei nochmaligem, photographiertem Besuch bekommen sie einen eigenen Eintrag: Ein Iltis oder Marder (der geschickt in den Kirschbaum kletterte und ähnlich wie die Eichelhäher die beste Auswahl an Früchten hat), ein Rehbock und eine (Haus-)Katze. Darüber hinaus wimmelt es hier mehr oder weniger an Zaun- und Smaragd-Eidechsen (englisch: emerald, und damit Farbe des Jahres…), Schmetterlingen, Hummeln, Ameisen, Mücken und anderen Plagegeistern. Auch eine Schlange hat Stephan vor ein paar Tagen gesehen — und Schlangenhäute finden wir regelmäßig rund ums Haus. Auch einen Skorpion hatten wir schon in diesem Sommer — es gilt, immer schön die Schuhe ausschütteln…

Während die Tiere (zumindest einige von ihnen) also Kirschen fressen, haben wir heute Abend ein fast schon fürstliches Menü:

  • Bruschette miste
  • Pasta al Fagioli è Prosciutto
  • Insalata Verde (mit einem Dressing aus Senf, Honig und Johannisbeermarmelade)
  • Crema di Mascarpone con Amarasca
  • Dazu einen Gavi DOCG und zum Abschluss einen Caffè Macchiato (mit Keks)
Ich habe da mal was vorbereitet...

Ich habe da mal was vorbereitet…

Treffend ist gerade wieder die Wilschweinfamilie eingefallen: Die speisen mit richtig Lärm: sie knacken die Kirschkerne — und jetzt habe ich sie mit dem Getipper verjagt… Tut mir leid…