Wer sind Sie eigentlich?

Ich habe ein Telefon, dass entgangene Anrufer speichert. Wenn ich in mein Büro zurückkomme, weil ich, wie heute morgen, mir kurz einen Kaffee geholt habe (den die nette Kollegin K. gekocht hat), und ein rotes Lämpchen auf dem Apparat leuchtet, weiß ich – ich habe einen Anruf verpasst. Im allgemeinen bin ich eine gute Dienstleisterin – ich lasse mir die Nummer anzeigen und rufe zurück. Heute war es eine 0160er-Nummer – ein Handy. Keine Ahnung, wer. Also den OK-Knopf drücken und den Verbindungsaufbau abwarten.

Rauschen in der Leitung. „Hallo“.

„Hallo – Dagmar Hänel, LVR-Institut für Landeskunde. Sie haben versucht, mich zu erreichen.“

„Hallo. Ja. Wegen der Mail. Es geht um die E-Mail. Da ist ja was schiefgegangen.“

(Wovon spricht er? – Aber erstmal positiv bestätigen.)

„Ja?“

„Ja, die Mail. Das war ein Fehler.“

(Ich verstehe gar nix. Was für eine Mail? Wer ist das überhaupt?)

„Also ich wollte ja gestern schon anrufen, wegen der Mail. Da haben ja mehrere gemailt.“

(Wie jetzt – was will der Typ von mir?)

„Das war ja eine Verwechselung, o-“

Jetzt reichts – das kann ja noch Stunden so weitergehen – ich falle dem jetzt einfach ins Wort:

„Stopp! Wer sind Sie?“

Stille. Fünf lange Sekunden.

„Andreas P.“

Erleichterung.

„Herr P. – dann weiß ich jetzt auch, worum es geht. Alles in Ordnung. …“

Noch ein kurzer freundlicher Wortwechsel, dann verabschieden wir uns und ich lege auf.

Hirn wieder auf Normalbetrieb fahren. Leben geht leichter, wenn man sich mit Namen meldet.

Freiheitsbäume?

Nichtrauchergesetzprotestbaum 03

Nichtrauchergesetzprotestbaum 03

Freiheitsbäume haben eine lange Tradition. Sie werden im 19. Jahrhundert populär – in und kurz nach den Befreiungskriegen gepflanzt, besonders beliebt sind Eichen. Deutsche natürlich. Aber über nationale Symbolik des 19. Jahrhunderts wollen wir heute gar nicht weiter diskutieren. Beim Spaziergang um und durch unser Dorf heute haben wir eine neue Art von „Freiheitsbaum“ entdeckt. Eine kreative Umwidmung eines Maibaums. Nun, einen Tag vor offiziellem Maiende und damit dem Entsorgungstermin für Maibäume, haben ein paar Akteure aus dem Umkreis einer der beiden Dorfkneipen ihrem Unmut, dass sie tatsächlich zum Rauchen nach draußen gehen müssen, Luft gemacht. Kurzerhand die leeren Schachteln eines Abends zusammengebunden und am Maibaum drapiert, ein Schild mit der Aufschrift „Nichtrauchergesetz-Protestbaum“ – fertig.

Nichtrauchergesetzprotestbaum 01

Nichtrauchergesetzprotestbaum 01

Steht das nun in der Tradition der politischen Freiheitsbäume? Geht es doch um die Freiheit, zu rauchen, wann und wo der Raucher will. Egal, ob der Nichtraucher nebenan sich gestört fühlt oder nicht. Das ist eine interessante Interpretation von Freiheit – und definitv nicht die, die Rosa Luxemburg meinte.

Ich kann es ja durchaus verstehen, da sitzt man gemütlich beim Bier zusammen, eigentlich würde die Zigarette dazu gehören. Ist aber nicht mehr – dank dieses Gesetzes. Also muss man zum Rauchen raus, es regnet, ist kalt – menno. Aber trotzdem – fürs Moppern gegen das Nichtraucher-Schutz-Gesetz Symbolik und Motiv des Freiheitsbaumes zu nutzen, ist eher unpassend. Und als Maigabe taugt es schon gar nicht.

Entdeckung im Heizungskeller

Ritterstern im Mai

Ritterstern im Mai

Mein Fundstück des Tages begegnete mir heute im Heizungskeller, wo wir das Gartenzubehör trocken, einigermaßen dunkel und relativ kühl aufbewahren. Gartenzubehör beinhaltet hier auch die Blumenzwiebeln, die überwintern und auch Rittersternzwiebeln während der Sommermonate. Rittersterne schneidet man ja bekanntlich nach der Blüte im Winter bis zur Zwiebel herunter, nimmt sie aus der Erde und pflanzt sie im Herbst wieder ein, wo sie dann wieder austreiben. Soweit, so gut.

Heute jedoch, als ich im Heizungskeller nach dem Rechten und Linken sah (auf der Suche nach der Wasserwaage…), entdeckte ich, dass zwei der Knollen bereits munter ausgetrieben haben! Zwar etwas blass am Stamm — es ist eben recht dunkel dort im Keller — aber nicht weniger forsch. Nun stellen sich zwei Fragen: Warum und was nun?

Die Frage „Warum“ wird wohl ein botanisches Mysterium bleiben. Ich könnte jetzt damit anfangen, dass laut Wikipedia Rittersterne (Hippeastrum) eine Pflanzengattung aus der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) sind, die wiederum zur Ordnung der Spargelartigen (Asparagales) gehören (s. hier). Und da wir ja noch nicht Johannis haben… Aber eigentlich wollte ich sie nicht ernten und erst recht nicht verzehren. Das mache ich lieber mit anderen Vertretern aus gleicher Familie und Ordnung, nämlich mit solchen aus der Unterfamilie der Lauchgewächse, z.B. Frühlingszwiebeln. Bevor ich jetzt aber noch mehr Unordnung veranstalte, bleibt die Frage „Was nun“?

Ausflug im Regen

20130526-154401„Ich kann es nicht mehr sehen, dieses Grau und den Regen“ sagte Stephan heute morgen beim Frühstück. „Entweder gehen wir wieder ins Bett – oder wir fahren weg“ – zwei Alternativen zum Wetterthema. Das Bett fiel heute wegen Rücken- und Kopfschmerzen aus, also mussten wir uns etwas überlegen. Dorthin zu fahren, wo die Sonne scheint, hätte einen Zwischenstopp am Flughafen erfordert. Für einene Sonntagsausflug zu aufwändig. Museum schied auch wegen Rückens aus. Dann die Idee: über die Grenze, um dann gleichzeitig zu testen, ob die Auslandsoptionen im Handy nun endlich funktionieren (nach unserem völlig abgeschaltet-sein-Erlebnis in Maastricht im letzten Herbst). Bein Blick in die Karte kam die Idee: Banneux. Mal wieder Marienwallfahrtsorte anschauen, populare Frömmigkeitsformen begutachten. Auf dem Rückweg liegt dann Moresnet-Chapelle sozusagen auf dem Weg. Damit war die Tagesplanung gefixt: Nun noch warm anziehen, Wanderschuhe, Wasser und Wegzehrung einpacken und los gehts. Tatsächlich regnet es die ganze Hinfahrt über. Belgien, gerade die Wallonie, ist im Regen besonders reizvoll: das (mehr oder weniger) leicht heruntergekommene, verschraddelte Belgien zeigt sich grau in gau von seiner eindrucksvollsten Seite. In Banneux angekommen finden wir direkt vor dem Wallfahrtsbezirk einen Parkplatz. Unglaublich – er kostet auch noch nix. Wir machen uns auf den Weg zur „neuen“ Kirche, dem laut Karte zentralen Ort.

Kirche von Banneux

Kirche von Banneux

Während der Wallfahrtsbezirk, der sozusagen im Wald liegt, architektonisch relativ einheitlich aus den 1940er Jahren stammt, ist die zentrale Kirche eine 1980er-Jahre-seelenlose Versammlungshalle. Manches erinenrt an Lourdes, aber während die unterirdische Riesenbasilika dort eine interessante und durchaus spirituelle Ausstrahlung hat, erscheint uns der Bau in Banneaux als Mischung zwischen belgischem Ferienhaus und Bahnhofshalle.

Michael mal anders

Michael mal anders

Faszinierend aber die Michaelskapelle: Einen solchen gleichzeitig völkisch und fast schon tragisch anmutenden „Helden“-Erzengel habe ich noch selten gesehen. Es könnte auch eine Figur aus einem Fritz-Lang-Film sein: ob Metropolis oder seine Nibelungen-Interpretation. Ein schöner Kontrapunkt dazu ist Konrad Adenauer, dem dieser Wallfahrtsort anscheinend besonders am Herzen lag.

Und natürlich die Quelle, das Zentrum des – früher sagte man volksfrommen – Handelns. Egal ob kirchlich anerkannt oder nicht, Wasser hat eine besondere Anziehungskraft und wird ganz selbstverständlich zur Vermittlungsinstanz des Heiligen gedeutet. Und so wird das Wasser aus der Quelle abgezapft und mitgenommen, Menschen führen rituelle Waschungen durch, und natürlich ist das Wasser im zentralen Brunnen viel wirksamer als das aus den für die Nutzer angebotenen Wasserhähnen ringsherum.

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An der Quelle

 

Belgische Waffeln und Café au Lait

Belgische Waffeln und Cafè au Lait

Nach einem Besuch in der Erscheinungskapelle und dem Entdecken der Bank aus Nordwalde sind wir, durchgefroren und nass, reif für einen Kaffee. Den bekommen wir natürlich auch hier: Am Busparkplatz haben sich eine Reihe von Devotionalienläden und Cafès angesiedelt. Im ‚Cafè Esplanade‘ bekommen wir den Cafè au lait zwar nicht in der Boule, aber dafür mit leckerer belgischer Waffel. Mit Sahne und Puderzucker – die Kirschen sind bei der Bestellung untergegangen. Ja, und auch die Preise sind durchaus „Heilig“…

Nach der Stärkung geht es zurück Richtung Grenze, mit einem Abstecher nach Moresnet, in eine weitere, aber deutlich kleinere Wallfahrtskirche. Und während Banneux zu den typischen Erscheinungs-Wallfahrten des 19. und 20. Jahrhunderts gehört (in einer Reihe mit Lourdes und Fatima, die Erscheinungsberichte aus Banneaux stammen aus dem Jahr 1933) ist Moresnet-Chapelle eine eher traditionelle Marienwallfahrt, die auf ein Erscheinungserlebnis im 18. Jahrundert zurückgeht. Auf dem Weg dorthin müssen wir einen Umweg fahren – Straßensperrung. Manchmal sind solche Umwege lohnenswert: uns führt das Umleitungsschild über Henry-

Soldatenfriedhof Henry-Chapelle

Soldatenfriedhof Henry-Chapelle

Chapelle – und den dort angelegten großen Friedhof samt Memorial für amerikanische Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg hier getötet wurden. Ein eindrucksvoller Ort: Die Inszenierung geht über das Visuelle hinaus, wenn um 17 Uhr Glockengeläut und Hymnen über Lautsprecher den Raum füllen.

Dagegen ist die kleine Wallfahrtskirche von Moresnet-Chapelle ein fast schon unscheinbarer und privater Ort. Außer uns ist kein Mensch hier. In der Seitenkapelle, in der die wundertätige Marienstatue aufgestellt ist, finden sich zahlreiche Zeichen der Verehrung und des Glaubens an die Wirksamkeit. Und hinter einer Nische, halb von einem Vorhang verdeckt, steht schon das Tragegestell für die Fronleichnamsprozession am nächsten Donnerstag.

 

Gartennotiz 004: Stumpfe Zähne

Rhabarber, 2013

Wie in der Gartennotiz 003 bereits angekündigt, nun also ein paar Worte zum Rhabarber (Rheum rhabarbarum).

Natürlich ist diese Pflanze mit jeder Menge Kindheitserinnerungen versehen. Die stärkste — und wahrscheinlich auch am weitesten verbreitete — ist, eine Stange Rhabarber in ein Glas mit Zucker zu tunken und diese so leidlich versüßte Stück für Stück zu genießen. Es war natürlich meistens immer noch unglaublich sauer, aber das Versprechen von Sommer, vielleicht sogar noch durch ein paar Erdbeere abgerundet, war einfach unschlagbar.

Rhabarber, 2013

Rhabarber, 2013

Vielleicht ist auch das der Grund, warum wir uns nun diese Pflanze in den Garten geholt haben: Zurückholen von Kindheitserinnerungen. Die beiden Stauden stehen nun in einem wieder neu angelegten Beet an der Grenze zum Nachbargrundstück, an einer Stelle, die hinreichend viel Sonne verspricht. Ich fürchte aber, dass es dieses Jahr (noch) nichts zu ernten geben wird.

Neben dem bereits genannten Rohkonsum des Rhabarbers, gibt es natürlich noch zwei weitere elementare Darreichungsformen: 1) das Rhabarberkompott und 2) den Rhabarberkuchen. (Auf solch Hipstergedöns wie Rhabarberschorle etc. pp. gehe ich hier nicht weiter ein — ich könnte mich nur in die Nesseln setzen…) Beide kommen mit einer geradezu sprichwörtlichen Nebenwirkung daher: Stumpfe Zähne! Warum das so ist, mögen kundigere Menschen erklären. Mir reicht manchmal schon der Anblick und der Duft des einen oder anderen, um das belegte Gefühl im Zahnraum zu haben. Normalerweise bedeutet das: Es ist Frühling oder gar Frühsommer. Aber im Jahr 2013 scheint alles etwas anders zu sein. Es gab zwar schon Rhabarberkuchen, aber mit dem Rest…

Rhabarberkuchen

Rhabarberkuchen

Gartennotiz 003

AbsoluteBeginnersZucchiniAnimation300Als meine Eltern 1969 mein Elternhaus bauten (Typ: freistehender Bungalow), wurde im Garten selbstverständlich auch ein Teil wenigsten für den Obstanbau reserviert: Erdbeeren, rote und schwarze Johannisbeeren, zwei Kirschbäume (Schattenmorellen) und Rhabarber. Auf letzterem komme ich in den nächsten Tagen auch noch mal gesondert zurück. Ich selbst habe mal einen Pfirsichbaum aus einem Kern gezogen. Der hat genau einen Pfirsich bis zur Reife gebracht. Leider just während der Urlaubszeit: Vor dem CVJM-Familienurlaub auf Borkum war er noch nicht reif, als wir zurückkamen, lag er überreif angefault und von Würmern zerfressen im Gras. Dann wurde der Baum von der Kräuselkrankheit dahingerafft. Irgendwann beschloss dann meine Mutter, dass sie keine Lust mehr auf die ganze Arbeit mit der Ernte hat, und es wurde ein reiner Ziergarten angelegt. Eine weise Entscheidung. Soweit also meine bisherigen Erfahrungen mit einem Ansatz von Selbstversorgungsgarten.

KopostZucchine

Zucchini auf Kompost, 2013

Was  treibt nun mich dazu, selbst Nutzpflanzen zu kultivieren? Es liegt definitiv nicht an wirtschaftlichen Gründe. Dafür würde die Menge bei weitem nicht ausreichen. Der Umfang hat ja eher symbolischen Charakter. Wahrscheinlich liegt auch genau da der Hund die Zucchini bevergraben: Es geht um das Erfolgserlebnis. Hier sehe ich was ich gemacht habe (Komposthaufen umgesetzt und vier Setzlinge eingepflanzt) und kann zusehen, wie mehr daraus wird und ich — wenn nicht gerade alles verhagelt wird — beizeiten sogar eine Ernte einholen kann. Wo kann ich das sonst noch?

 

Feuerwehr

Wenn ich groß bin, werde ich ein Feuerwehrmann!

Wenn ich groß bin, werde ich ein Feuerwehrmann!

Am letzten Donnerstag waren wir in Sachen Feuerwehr unterwegs. Gleich zwei Feuerwehrfeste waren angesetzt, in Dransdorf und in Lessenich. Also schauen wir uns das mal an. Auf dem kleinen Dorfplatz in Dransdorf, vor dem Feuerwehrhaus, stehen mehrere Einsatzfahrzeuge, dazu ein ökologisch (fast) einwandfreies Bullriding (da wird der Bulle nicht elektrich bewegt sondern durch ziehen an Seilen). Damit die Kinder so richtig Spaß haben, war das der ultimative Väterjob am Vaterag. Ansonsten gabs noch Rievkooche, Würstchen, Waffeln und Kuchen. Der Getränkewagen war – wie ich auf dem Rückweg vom walken beobachten konnte, schon am Morgen um kurz vor neun in Betrieb genommen worden. Feuerwehrfest eben. Ein bisschen umschauen und eigentlich waren wir schon auf dem Weg weiter. Eine kurze Frage nur an einen Jungen, der in Uniform mit Aufschrift „Jugendfeuerwehr“ vor einem der großen Einsatzwagen stand. Wir kamen ins Gespräch und als ich erwähnte, ich hätte ehrlich gesagt überhaupt keine Ahnung von Feuerwehr, war kein Halten mehr. Unser Informant winkte noch einen etwa gleichaltrigen Mitfeuerwehrler heran und dann bekamen wir aus erster Hand die komplette Ausrüstung eines Einsatzfahrzeugs vorgeführt. Löschschaum, Axt und Spaten, diverse Schläuche und Verbindungsstücke, die bruchsichere und unglaublich helle Taschenlampe, Pumpe für den Rhein (oder wahlweise irgendein Pool, der zum Löschen leergepumpt werden kann) oder auch vollgelaufene Keller. Die Unterschiede zwischen B- und C-Rohr wurden ausführlich erläutert, ebenso verschiedene Arten von Einsätzen.

Das war beeindruckend. Nachdem ich pubertierende Jungs überwiegend im ÖPNV wahrnehme, wo sie wahlweise rumgrölen oder paralysiert auf ein Handy starren und irgendwelche Spiele damit spielen, war ich doch sehr positiv überrascht von engagieren, eloquenten 15jährigen, die sich mit großer Leidenschaft und Akribie ein unglaubliches Wissen und Können erarbeitet haben – und das auch noch so überzeugend weitergeben können. Die können mich retten, wenns mal nötig ist.

Gartennotiz 002

AbsoluteBeginnersWickeAnimation300Ich habe nicht gewusst, was für Schmerzen das sein können. Gestern gut drei Stunden Einsäen der Wiese, Harken, Steine absammeln, Unkraut zupfen, Pflanzen beschneiden um anderen mehr Licht und Platz zu verschaffen. Gut sieht das aus heute. Aber es tut unglaublich weh. Im unteren Rückenbereich. Und im hinteren Oberschenkel. Und in der Schulter. Ich kann nicht sitzen, liegen, stehen. Die Physiotherapie heute nachmittag hat sich statt um die Knie heute um meine Wirbel gekümmert. Früher hab ich geglaubt, eine Rückenmassage sei etwas angenehmes. Ein ählicher Fehlglaube wie Osterhase. Aber trotzdem, da auf der Liege war es etwa 10 Minuten lang entspannend. Schön, wenn der Schmerz nachlässt. Er kam aber direkt wieder, als ich aufgestanden bin.

In wenigen Wochen ist das die Wildblumenwiese

In wenigen Wochen ist das die Wildblumenwiese

Geheime Freude habe ich an der Vorstellung, was manche Nachbarn sagen, wenn sie entdecken, dass die schöne ordentlich angelegte neue Beetfläche, die das hintere Drittel des Gartens einnimmt, kein Beet ist, sondern sich zu einer Wildblumenwiese entwickeln wird. Wildblume ist ja für manche Gärtner einfach ein unverschämter Euphemismus für Unkraut. Höhö. In unserer Schmetterlingsmischung ist laut Aufschrift sogar Brennesselsamen. Mitten hinein gepflanzt in die zukünftige Wiese habe ich drei Nachtkerzen – auch so ein Unkraut.

Was gestern nicht mehr ging, ich aber heute nachgeholt habe, sind die Wicken am Zaun. Laut Anleitung auf der Packung sollen die Wickensamen 24 Stunden in Wasser quellen, bevor man sie an Ort und Stelle im Beet aussät. Daher mussten sie bis heute warten – denn natürlich habe ich erst die Anleitung gelesen, als ich schon mit Werkzeug und Gießkanne bewaffnet  im Dreck stand. Also heute nochmal in die Gartenklamotten, Mulden gezogen und über den Zaun gebeugt (ich war zwischendurch nicht sicher, ob es mir gelingen wird, mich wieder aufzurichten) die zukünftigen Daranhochkletterer eingestreut. Wo das mit dem wieder hochkommen dann noch gelungen ist, habe ich dann noch mal eben die zwischen den Gehwegplatten wachsenden Akelei, Löwenzahn und Klee weggemacht. Ein kleines Täuschungsmanöver für die Nachbarn. Aber, solche Gedanken werden vom Gartengott sofort bestraft – jetzt liege ich auf dem Sofa und weiß noch nicht, wie ich gleich hier wohl wieder rauskomme und die Treppe rauf..

Erstmal Kornkissen. Und wehe, dieses ganze Zeug wächst nicht so wie auf den Fotos im Bildband „glücklich durch gärtnern“.

save the day

shave the day - and the world will smile back at you

shave the day – and the world will smile back at you

Heute auf dem Weg zum Geburtstagsfest von Freundin A. Wir parken ein Stückchen die Straße runter hinter einem silverfarbenen Skoda. Die Botschaft auf dem Heck ist irritierend: „shave a nice day“. So einfach ist das also. Nach ein paar Minuten Nachdenken komme ich zu dem Schluß: Manchmal stimmts sogar. Der morgendliche Kuss ist nach dem Rasieren doch oft angenehmer. Ein genauerer zweiter Blick auf das doch recht kleine Werbeemblem bringt Klarheit – das ist kein s – sondern ein umgekehrtes eckiges einfaches Anführungszeichen. Blöder typographischer Spielkram.