Daneben gegriffen

Montag Morgen, kurz vor 8. Schon fast fertig mit allem, nur noch Makeup, Haare föhnen und einen Sprühstoß Magnifique aufs Dekolleté. Und jetzt das – der Flacon leer, kein Tröpflein für den Mikrozerstäuber mehr da. Egal, da war doch die kleine Probierprobe vom letzten Parfumeriebesuch, das roch doch gar nicht so schlecht. Ich bewahre diese kleinen Probefläschen in einer Schachtel auf dem Regal im Badezimmer auf – mit einer Sammlung von Nagellackfläschchen. Letztere ist aber nicht besonders umfangreich. Also schnell mal eben reingegriffen, die kleine Parfumprobe ist sogar mit Zerstäuber, pscht pscht, angesprüht. Riecht irgendwie seifig. Na ja, muss heute mal gehen. Die Haare sind frisch gewaschen und bleiben heute offen.

Beim Anziehen von Schal und Mantel kommen mir erste Zweifel. Das riecht komisch. ICH rieche komisch. So irgendwie unpassend. Beim Umbinden des Schals sind die Haare nach vorn gefallen und einmal durchs Dekolleté gezogen. Jetzt rieche ich es massiv. Bäh. Das geht gar nicht. Also wieder ausziehen, nach oben – wie kriege ich das wieder ab? Auch Stephan ist der komische Geruch inzwischen aufgefallen. Er bestätigt: das kommt nicht wirklich gut. Ein Blick auf den Flacon bringt die Wahrheit an den Tag. Das kann gar nicht passen. Das ist der Männerduft. Und jetzt erinnere ich mich auch an den Spruch der Verkäuferin in der Parfumerie: „Da leg ich Ihnen nochmal was Schönes für den Gatten dazu, Frau Dr. Hänel.“

Cartier Déclaration - der Duft für ihn mit dem maskulinen Charakter...

Cartier Déclaration – der Duft für ihn mit dem maskulinen Charakter…

Sollte der Gatte jemals auf diese Marke umsteigen, lass ich mich scheiden. Oder vielleicht ist es am Manne gar nicht so schlecht, verspricht doch der Werbetext „maskulin“ als Charakter, Kopfnoten von Leder und Zedernholz und eine Herznote von Iris, Zimt und Ingwer. Die Basisnote allerdings sei „Beifuß, Kümmel und Bitterorange“ – Kümmel, na ja, ehrlich gesagt, darauf kann ich verzichten. Wenn ich Kümmel will, koche ich damit. Es bleibt aber immer noch die Frage, wie ich dieses olfaktorisch unpassende Gemisch wieder loswerde.

Komplett ausziehen – riecht immer noch. Waschen. Nochmal Waschen. Ein drittes Mal Waschen. Eincremen mit der vertrauten Bodylotion. So langsam gehts wieder. Die Haare wasche ich jetzt aber nicht nochmal. Die bleiben offen und sollen beim Radfahren durch die Kälte ausdünsten.

So halbwegs hats funktioniert. Zumindest hat mich keiner der Kollegen auf einen merkwürdigen Geruch angesprochen. Aber selbst jetzt, um kurz nach zehn am Abend, habe ich ihn noch in der Nase. Seifiges Zedernholz mit Kümmel. Vorm Schlafengehen geh ich nochmal duschen…

 

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