Klapperkantapper

Heute morgen um halb acht wachte ich auf und hörte ein fremdartiges Geräusch: Rapp-Klapp-Taptaptap, Rapp-Klapp-Taptaptap, Rapp-Klapp-Taptaptap … ununterbrochen, relativ schnell lauter werdend, am Haus vorbei und wieder verklingend. Nach wenigen Mitnuten war es wieder still – wie es sich für einen stillen Feiertag gehört. Kurz hingewiesen sei auf den Schnee – Karfreitag 2013, Neuschnee in der Nacht, Schneefall in Bonn bis in den späten Vormittag.

Karklapppern 2013 in Dransdorf

Karklapppern 2013 in Dransdorf

Und die Klapperkinder.

In Dransdorf pflegen die Ministranten die Tradition des Karklapperns. Hier sind sie auf ihren Fahrrädern unterwegs, morgens um halb acht drehen sie die erste Runde. Dann nochmal nachmittags gegen halb drei. Und gegen halb elf zogen sie in kleinen Gruppen aber ohne Klappern zum Sammeln durchs Dorf.

Das freut das Volkskundlerinnenherz!

Service-Beitrag

Vor geraumer Zeit — im Sommer 2008, um genau zu sein — haben wir schonmal gebloggt: Aus unserem Umbrien-Urlaub. Ich habe die Beiträge jetzt importiert. Sie sind ab hier oder über die Kategorie „Umbrien“ zu finden. Bald soll es hier auch eine Archiv-Seite geben, aber das dauert noch ein wenig.

Katja Riemann

Ich hab eine Weile darüber nachgedacht, ob es sich überhaupt in irgendeiner Weise lohnt, zu diesem Müll Stellung zu nehmen. Eigentlich ärgert es mich, dass es mich überhaupt beschäftigt. Aber es ist irgendwie zu ärgerlich, gar beängstigend, dass diese Art von Dummheit, Dumpfheit und Verachtung eine solche Macht gerade in den so genannten sozialen Netzwerken hat. Es geht um Katja Riemann. Eigentlich nicht um Frau Riemann, sondern um diesen Shitstorm, den ein Interview in einer dämlichen Vorabend-Talksendung beim NDR ausgelöst hat. Das habe ich mir in der NDR Mediathek am Samstag komplett angeschaut, weil ich über mehrere Artikel in der Zeitung – letzte Woche gar auf der Seite drei in der Süddeutschen, ziemlich divergierende Ansichten über den Verlauf dieses Gesprächs gelesen habe – und über die Folgen, eben den shitstorm auf der Facebookseite der Schauspielerin, erstaunt war. Also eine eigene Meinung bilden und diese Sendung anschauen. Das gibt Klarheit. Und ganz ehrlich – wenn eine Frau von der Eloquenz einer Riemann jemanden im Gespräch runtermachen will, sieht das anders aus. Demütigend waren die Fragen, die Ignoranz und Respektlosigkeit des Moderators.

Aber wenn man schonmal dabei ist, schaut man auch mal in die anderen Seiten an, die  youtube zu diesem Thema anbietet. So bin ich auf einer dieser „Zickige Schauspielerin demütigt Moderator“-Seiten gelandet. Hier hat jemand mit enormen Sachverstand (sowohl was inhaltliche Fragen, korrektes Zitieren und ästhetische Grundregeln des Schnitts betreffend) mehrere Antworten/Wortbeiträge von Frau Riemann zusammengeschnitten und zieht daraus die Schlußfolgerung: eine unverschämte Demütigung des Moderators. Was mich noch mehr schockiert sind die Kommentare auf dieser Seite. 99,9 % Zustimmung, in ereiferndem bis geiferndem Ton wird dieses Machwerk als Beleg für eine angebliche charakterliche Unzulänglichkeit einer Frau benutzt. Und der eine User, der ein bisschen widerspricht, wird kollektiv in gleichem Ton niedergemacht.

Warum schreibe ich das, wärme hier nach über einer Woche einen Pseudo-Mediendiskurs nochmal auf, über den ja außer mir schon längst keiner mehr redet? Weil mich diese Kommentare erschreckt haben. Weil mir hier das erste Mal diese Hetzmeutenmentalität, die anscheinend von gar nicht so wenigen Menschen in der Anonymität des Netzes ausgelebt wird, begegnet ist. Was mich erschreckt ist die Gewalt, die Dummheit, die Verachtung für andere Menschen. Ich gestehe, ich habe mich für die bisherigen Shitstormgeschichten nicht interessiert. Stephan, der schon diverse Male von irgendwelchen Polemikern auf seiner Seite angegangen wurde, hört von mir dann immer nur: Löschen, von der Freundesliste streichen, Ignorieren, sonst wertest Du die noch auf. Haben die nix zu tun oder was; was setzt Du Dich auch diesen Idioten aus? Hier nun meine öffentliche Abbitte: Ja, es ist wichtig, seinen Standpunkt zu haben und zu verteidigen – auch gegen die Blödmänner der Welt. Und zwar mit vollem Namen und erhobenem Kopf.

Etwas nicht zu wissen oder nicht zu kennen ist nicht schlimm. Aber Dummheit gekoppelt mit Ignoranz und Arroganz, ist das Schlimmste, daraus wächst alles andere – bis zu tatsächlichen Gewalt. Wenn ich sehe, wie leicht das vielen fällt, wird mir schlecht.

Daneben gegriffen

Montag Morgen, kurz vor 8. Schon fast fertig mit allem, nur noch Makeup, Haare föhnen und einen Sprühstoß Magnifique aufs Dekolleté. Und jetzt das – der Flacon leer, kein Tröpflein für den Mikrozerstäuber mehr da. Egal, da war doch die kleine Probierprobe vom letzten Parfumeriebesuch, das roch doch gar nicht so schlecht. Ich bewahre diese kleinen Probefläschen in einer Schachtel auf dem Regal im Badezimmer auf – mit einer Sammlung von Nagellackfläschchen. Letztere ist aber nicht besonders umfangreich. Also schnell mal eben reingegriffen, die kleine Parfumprobe ist sogar mit Zerstäuber, pscht pscht, angesprüht. Riecht irgendwie seifig. Na ja, muss heute mal gehen. Die Haare sind frisch gewaschen und bleiben heute offen.

Beim Anziehen von Schal und Mantel kommen mir erste Zweifel. Das riecht komisch. ICH rieche komisch. So irgendwie unpassend. Beim Umbinden des Schals sind die Haare nach vorn gefallen und einmal durchs Dekolleté gezogen. Jetzt rieche ich es massiv. Bäh. Das geht gar nicht. Also wieder ausziehen, nach oben – wie kriege ich das wieder ab? Auch Stephan ist der komische Geruch inzwischen aufgefallen. Er bestätigt: das kommt nicht wirklich gut. Ein Blick auf den Flacon bringt die Wahrheit an den Tag. Das kann gar nicht passen. Das ist der Männerduft. Und jetzt erinnere ich mich auch an den Spruch der Verkäuferin in der Parfumerie: „Da leg ich Ihnen nochmal was Schönes für den Gatten dazu, Frau Dr. Hänel.“

Cartier Déclaration - der Duft für ihn mit dem maskulinen Charakter...

Cartier Déclaration – der Duft für ihn mit dem maskulinen Charakter…

Sollte der Gatte jemals auf diese Marke umsteigen, lass ich mich scheiden. Oder vielleicht ist es am Manne gar nicht so schlecht, verspricht doch der Werbetext „maskulin“ als Charakter, Kopfnoten von Leder und Zedernholz und eine Herznote von Iris, Zimt und Ingwer. Die Basisnote allerdings sei „Beifuß, Kümmel und Bitterorange“ – Kümmel, na ja, ehrlich gesagt, darauf kann ich verzichten. Wenn ich Kümmel will, koche ich damit. Es bleibt aber immer noch die Frage, wie ich dieses olfaktorisch unpassende Gemisch wieder loswerde.

Komplett ausziehen – riecht immer noch. Waschen. Nochmal Waschen. Ein drittes Mal Waschen. Eincremen mit der vertrauten Bodylotion. So langsam gehts wieder. Die Haare wasche ich jetzt aber nicht nochmal. Die bleiben offen und sollen beim Radfahren durch die Kälte ausdünsten.

So halbwegs hats funktioniert. Zumindest hat mich keiner der Kollegen auf einen merkwürdigen Geruch angesprochen. Aber selbst jetzt, um kurz nach zehn am Abend, habe ich ihn noch in der Nase. Seifiges Zedernholz mit Kümmel. Vorm Schlafengehen geh ich nochmal duschen…

 

Rosenschere

Stephan: Dagmar und ich waren heute im LVR-Freilichtmuseum Lindlar zu einer Buchpräsentation. Nettes Ambiente, nette Menschen, die Deko der Jahreszeit frühlingshaft angepasst — hohnspottend der Tatsache, dass zwar die Sonne schien, aber bei 3,5°C ein kühler Wind über die Hügel des Bergischen Lands pfiff.

Dagmar: Nicht zu vergessen die Schneereste, die auf dem Weg durchs Bergische immer wieder herumlagen! – Aber zurück zum netten Ambiente in der Museumsherberge.

Rosenschere

Rosenschere

Stephan: Teil der Deko war auch die abgebildete Rosenschere. Mein erster Gedanke: „Oh, mein …“ Und, ja, sie ist voll funktionsfähig und auch hinreichend scharf. Mein zweiter Gedanke: „Wer kauft (und benutzt) denn solch ein Werkzeug?“ Oiliy im Garten? Die Latte Macchiato-Mutti auf der Dachterrasse bzw. dem Balkon der Bonner Südstadt? Darf die überhaupt dreckig werden? Ist die vielleicht ein ähnliches Statussymbol wie japanische Keramikmesser für Hobbyköche (ich benutze hier mit voller Absicht nur die maskuline Form)? Fragen über Fragen. Vielleicht kann ja Dagmar professionelle Hilfe geben.

Dagmar: Was für abstruse Gedanken bei so einer schönen Rosenschere. Da zeigt doch schon die Optik den Sinn der Sache: Form und Funktion in Einklang. Mit so einer Schere wird das Rosenschneiden zu einer kultischen Handlung. Wir wissen ja, wenn man die verblühten Blüten aus dem Rosenstrauch immer brav rausschneidet, bilden sich immer wieder neue Blüten. Klar, das ist eigentlich garstiges Austricksen der biologischen Uhr dieser Pflanze – will sie doch eigentlich nur Früchte — sprich Samen — produzieren. Und wir reduzieren sie auf die dusselige Blüte, die nur dafür da ist, Bienen und Hummeln zur Bestäubung anzulocken. Ja, und ich stehe dazu. Ich will keine Hagebutten, ich will Blüten bis Ende Oktober. Und ich will so eine Rosenschere… (übrigens gibt es dazu auch die passende Mini-Harke und -Schüppe und — luftanhalt — Gummistiefel!)

Stephan: Ok, ok, ok. Das war ja nun ein Wink mit der Dachlatte. Aber, Du hast doch erst im August… Ach egal. Nun denn. Dann wird es also bald Deine Rosenschere, meinen Spaten etc. geben, und nicht mehr wie ehedem unser Radiergummi. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

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Vorweg #1: mindestens Freundin L. wird sich beim Lesen dieses Beitrags die Haare raufen. Ich höre sie bereits „Ahhhhh, Stephan!“ stöhnen. Ich hoffe, dass sie mir verzeiht.

Vorweg #2: Audiophile, für die nur die Rille der einzig zulässige Tonträger ist, mögen mir bitte noch mehr verzeihen.

Seit einiger Zeit versuche ich mehr oder weniger systematisch meine Musiksammlung a) zu vervollständigen und b) zu aktualisieren. Das bedeutet nicht, dass ich mir nun immer die neuesten Chartstürmer kaufe. Sondern viel mehr, dass ich mir Musik, die ich bis jetzt nur auf MC [1] habe bzw. die ich schon lange haben wollte, nun stückweise auf CD oder als MP3 online (oder artverwandt) kaufe. Letzteres dann, wenn es eher „Gebrauchsmusik“ bzw. Hintergrund-Tralala ist. Zur CD greife ich vor allem dann, wenn ich auch das Booklet haben möchte: Texte zum Nachlesen, Angaben zum Set etc. pp.

George Benson & Al Jarreau, "Givin' It Up"

George Benson & Al Jarreau, „Givin‘ It Up“

Nun hatte ich vor ein paar Tagen das Album „Givin‘ it up“ von Al Jarreau und George Benson entdeckt. Und da war sie nun die Frage: Wo kaufen? Denn es sollte schon die CD samt Booklet etc. sein. Beim in letzter Zeit ins Gerede gekommenen großen Internetanbieter für Bücher, CDs und überhaupt möchte ich eigentlich nicht mehr bestellen. Ich habe mich übrigens nicht an dem großen Boykott beteiligt (ich musste dafür auch schon einiges an virtueller Prügel einstecken). So sehr mich die Berichte über die Arbeitsbedingungen etc. irritieren und ich auf Abhilfe hoffen, viel mehr beunruhigen mich die Auswirkungen auf Verlage, unabhängige Buch- und Musikhändler etc., die im Zuge der Berichterstattung en passant ruchbar wurden. Denn mit diesem Online-Händler ist es ähnlich wie mit der hippen Computerfirma mit dem Apfel: Beide Firmen sind die beste Angriffsfläche, weil sie eh im Fokus des öffentlichen Interesses stehen. Die Mitbewerber sind kaum einen Deut besser. Was die ganze Chose natürlich nicht einfacher macht. Also kam nur ein örtlicher Händler in Frage. Und siehe da, Mr. Music an der Maxstraße hatte die CD vorrätig, sogar günstiger als jedes Angebot im Netz. Wow! Der Laden hat einen Kunden mehr!

[1] MC: s. http://de.wikipedia.org/wiki/Compact_Cassette

Entsorgung

Jede(r) kennt diese Momente, in denen sich die Sekunden zu Unendlichkeiten zu dehnen. Ein typisches Beispiel dafür ist, wenn in einem Geschirrregal etwas final ins Rutschen gerät: Der Zeitraum zwischen dem ersten Knirschen, über den dumpfen Aufschlag und das anschließende Scheppern bis zum lang anhaltenden Splittern… Panische Blicke, die bange Frage „Was war das?“. Es waren natürlich nicht die hässlichen Geschenke von der Hochzeit, die man eigentlich schon längst dem örtlichen Entsorger hätte anvertrauen sollen. Die stehen grundsolide noch im Regal oder liegen unversehrt auf dem Boden — neben dem Scherbenhaufen. Es waren eben die Erbstücke, die vielleicht nicht unbedingt wirklich schön waren, aber an denen das Herz hing. Warum dieser ewige Kampf zwischen Alltagstücke und individueller Erinnerungskultur?

ScherbengerichtJedenfalls ist nun einiges im Eimer und wir haben Platz für zwei Tortenplatten und eine Schale für einen kleinen Salat, für Gebäck etc.

Geschenkter Mittwoch

Sonnenuhr in Telgte, natürlich mit der schmerzensreichen Madonna

Sonnenuhr in Telgte, natürlich mit der schmerzensreichen Madonna

Heute wurde mir ein Mittwoch geschenkt. Diesen Tag verdanke ich dem Schnee der letzten Woche. Denn deshalb ist der Boden in O. aufgeweicht. Und der Kran kann dort nicht stehen.

Das ist jetzt kryptisch, also erklär ich mal die ganze Geschichte: In O. sollte morgen ein nicht mehr bewohntes Flüchtlings-Übergangs-Wohnheim in Form eines Containerensembles abgeholt werden. Nicht einfach nur abgeholt, sondern im Ganzen transloziert, um im LVR-Freilichtmuseum Kommern wieder aufgestellt zu werden. Deshalb auch der Kran, der zum Aufladen auf den Tieflader benötigt wird. Dieses Gebäude als „erzählendes Objekt“ in die geplante Ausstellung einzubauen, ist ein gemeinsames Projekt von meinem sehr geschätzten Kollegen und guten Freund C. aus dem Freilichtmuseum und mir.

Alles war geplant: Team, Auto, Tieflader, Kran, Handwerker – und die wollten, wie Handwerker nun mal sind, auch schon um acht Uhr morgens anfangen. Mit der knappen Stunde Fahrzeit also sieben Uhr los in Bonn, spätestens sechs Uhr aufstehen und ohne Frühstück los. Ich hasse solche Termine. Ernsthaft. Ich war zur Vorbereitung schon seit Sonntag abend mopsig. Und heute der Anruf: Das wird nix morgen. Wir verschieben auf Freitag.

Wunderbar! Ein Tag ohne andere Termine. Kein Wecker um sechs. Mindestens zwölf Stunden selbstbestimmt.

An Freitag denke ich dann ab Donnerstag. Denn morgen freue ich mich über den geschenkten Mittwoch.

 

Unfassbar dreist

Das heutige Fundstück überraschte uns am Frühstückstisch. Es handelt sich um die Schokocreme, die ich am Samstag eingekauft habe. Der Wocheneinkauf musste mal wieder warten bis Samstag – eigentlich hassen wir das. Samstag ist Markttag – vielleicht noch mal die ein oder andere wenig gebräuchliche Zutat zum Samstagabend-Dinner, aber der wöchentliche Einkauf beim HIT sollte erledigt sein. War aber nicht. Stephan musste zu einer Veranstaltung, also auch noch alleine ins Samstagnachmittags-Getümmel eines großen Supermarktes in Tannenbusch. Immer, wenn ich dahinkomme, fühle ich mich overdressed. Ich glaube, ich könnte in meinen Sportklamotten einkaufen gehen, ich wäre trotzdem overdressed. Wenn ich mich schon so fühle, kommt auch beim Einkaufen gelegentlich mal meine versnobte Seite raus. Schokocreme. Nicht Nutella, das ist ja nicht nur mit Pferdeblut angerührt, sondern auch noch von einer Firma, die Kinderarbeit goutiert. Oder Nusspli oder JA-Nuß-Nougat-Creme oder wie sie alle heißen, die braunen, immer zu süßen und irgendwie klebrigen Brotaufstriche. Sondern Grashoff (Feinkost aus Bremen seit 1872). Das ist SCHOKOLADENcreme. Das schmeckt NUR nach Schokolade (Milch oder Zartbitter). Nun gut, das Glas ist gerade mal halb so groß wie ein Nutellaglas, aber dafür fast dreimal so teuer. Ist ja auch Luxus fürs Sonntagsfrühstück (und das auch nur gelegentlich).

Ich habe also ein Glas davon gekauft. Sorte Halbbitter mit Espresso-Splittern.

Am Sonntag morgen sollte es auf den Frühstückstisch. Beim Öffnen stellen wir fest: die Papierbanderole ist schon gerissen. Das Glas war schon mal auf. Mit Deckel ab sind die Spuren nicht zu übersehen: zweimal mit dem Finger rein, Glas wieder zu und zurück ins Supermarktregal gestellt.

unfassbar dreist

unfassbar dreist

Wie dreist ist das denn. Kinder können das eigentlich nicht gewesen sein, steht doch das Hochpreisige in der obersten Regalreihe. Solche Erkenntnisse nehmen mir das Vertrauen in die Menschheit. Haben wir doch gerade einen neuen Papst und das Managermagazin titelt „Die fetten Jahre sind zurück“. Und dann so was.

Früher war das ja üblich, manche Speisen vor dem Einkauf zu testen. Auf dem Kölner Markt beispielsweise wurde die dort angebotene Butter mit Pfennigstücken verkostet. Heute noch bekommen wir beim Käsestand immer mal wieder ein Stück zum Probieren. Und die Scheibe Fleischwurst beim Einkauf beim Metzger fürs Kind ist auch immer noch üblich. Und andauernd steht jemand in einem Stand im Laden und bietet irgendeine großartige Neuerfindung an: Mango aus Paraguay, die trotz 1. Klasse Flug nur 1,99 € kostet, eine neue Kekssorte oder auch mal ein Stück Lasagne aus der Mikrowelle. Ehrlich gesagt, auch im Supermarkt ist es noch so: wer es darauf anlegt, kann bei jedem Einkauf diverse Sachen essen. Aber verschlossene Gläser öffnen, um den Inhalt zu probieren? Das ist ein echter Absturz aus dem, was wir das grundlegende zivilisatorische Netz nennen. Solche Leute pinkeln auch an Hauswände. Unfassbar. In solchen Momenten bin ich für eine komplette Videoüberwachung, nicht nur öffentliche Plätze, auch Supermärkte kompletto.

Ich werde misanthropisch – und das ist Eure Schuld, Ihr garstigen Dreistlinge, Schokocremeklauer, Sonntagsfrühstücksvermieser, grrrrmpf!

Dietmar saved my morning…

Teil der Beute von heute

Teil der Beute von heute

Heute waren wir mal wieder im Baumarkt. Nicht in so einem riesigen wie kürzlich. Ein eher kleinerer, aber mit einem guten Angebot, eher von Handwerkern frequentiert als von Bastelmuttis. Zum Basteln gibts da nix. Wir standen eine Weile (eine ausführliche Weile) vor dem Regal mit den Rohren, die an die andere Seite einer Dunstabzugshaube kommen – es geht also um den Transport von Kochmiasmen nach draußen. Übrigens waren wir schon zum dritten Mal in dieser Sache unterwegs. Und diese Sache ist eine der wenigen Unstimmigkeiten zwischen Stephan und mir: Die Sinnhaftigkeit einer Dunstabzugshaube erschließt sich mir nicht wirklich. Wo doch unsere Küche ein Fenster hat. Und man, wenn mal was anbrennt, sowieso am besten Zimtwasser kocht. Na aber egal, die Dunstabzugshaube haben wir schon mit den anderen Küchengeräten vor zwei Jahren gekauft, fürs Anbringen aber mussten wir auf das Dämmen und Verputzen warten (das wird nun in Bälde beginnen). Soviel zur Erklärung vorab.

Der geneigte Leser mag bemerkt haben – dieses Thema ist hochgradig mit Emotionen besetzt. Negativen Emotionen. Und der Moment heute morgen, als ich schon mit dem ausgesuchten PlastikstutzenkomplettorohrmitintegriertemAuslassundLuftklappen-Teil an der Kasse stand und Stephan nur mal eben noch den dazugehörigen Schlauch holen wollte – da dehnten sich die wenigen Minuten endlos. Und dann das: Ne, lass uns nochmal gucken, das ist doch nicht das, was ich mir vorgestellt habe.

Ich gucke dann in einer Art und Weise, die andere Menschen in Angst versetzt. Tut mir leid. Hat was mit plötzlicher Unterzuckerung zu tun. Jedenfalls standen wir kurz vor öffentlicher Ehekrise im Baumarkt. Aber dann kam Dietmar. Dietmar war heute Chef vom Dienst (oder vielleicht ist er das immer, keine Ahnung, hätte er aber verdient). Und Dietmar kümmerte sich um uns. „Wird Euch denn schon jeholfen?“ Das rheinische Kollektiv-Duzen nimmt schonmal den Druck raus. In aller Seelenruhe wurde die Alternativauswahl gelobt („ja, dat müsste so jut funktioniere“), ein Kundenkonto für uns angelegt („wir müssen da noch mal eben den Ausweis kopieren, macht ja nix, oder?“). Im Kopierer kein Papier, aber auch kein Problem. Die eine Schelle, die noch fehlte, muss bestellt werden. Kein Problem – obwohl das Computersystem sich standhaft weigerte, diesen Artikel überhaupt zu kennen. Beim einzigen Paket der Außenverkleidung in der richtigen Rohrdurchmessergröße in eckig war die Packung geöffnet und der Dichtungsring weg – für Dietmar auch kein Problem. Er verschwand für ein paar Minuten in den Gängen seines Baumarktes und kam mit einer Dichtung zurück „von wegen, wer hier wat klaut“.

Dietmar eine Weile in seinem Baumarkt (wo er ganz eindeutig in seinem Element ist) zuzuschauen, hat eine kontemplative Wirkung. Wie nach einer Doppelsitzung Yoga mit Akupunktur geht man lächelnd in den Tag zurück – Danke.